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«Animal Crossing: New Horizons»

Es passiert nicht häufig, dass ein Videospiel es auf die Titelseite der «Financial Times» schafft. «Animal Crossing: New Horizons» von Nintendo für die Switch-Konsole ist das Kunststück gelungen. Es ist nicht die einzige Besonderheit für die Fortsetzung des Spieleklassikers. Dem japanischen Unterhaltungskonzern kommt ­zugute, dass das Timing für die Veröffentlichung nicht hätte besser sein können. Mitten in der Coronakrise lockt eine heile Inselwelt.

Der erste «Wald der Tiere», wie das Spiel ursprünglich in Japan heisst, erschien 2001. Das Spielprinzip ist gleich geblieben: Der durch und durch kapitalistische Waschbär Tom Nook verkauft dem Spieler, vertreten durch einen menschenähnlichen Avatar, eine Behausung, die im Verlauf des Spiels abgezahlt und erweitert werden kann, auch das natürlich nur gegen bare Münze. Im neu erschienen «New Horizons» führt die Reise auf eine Insel, anfangs schläft der Spieler in einem Zelt. Die Spielwährung Sternis lässt sich etwa durch den Verkauf von Früchten, Fischen oder Insekten erwirtschaften – die natürlich zuvor gesammelt beziehungsweise gejagt werden müssen.

Die Besonderheit im Spiel: Das Inselleben läuft in Echtzeit ab. Morgens kann man den Sonnenaufgang bewundern, nachts Polarlichter, im Frühling blühende Kirschbäume, im Winter Schneemänner. Das alles wird in einer bunten Comicoptik dargestellt, einfach, aber hübsch anzuschauen, allerdings nur auf einer Nintendo Switch. Anderswo läuft das Spiel nicht.

«Animal Crossing: New Horizons» ist wie geschaffen für die triste Zeit zu Hause in der Covid-19-Pandemie. Der virtuelle Ausflug kommt gerade recht auf eine Insel, die noch in Ordnung ist – fast jedenfalls. «Spieler jagen nun Spinnen, nachdem sie von der Zinssenkung in ‹Animal Crossing› kalt erwischt wurden», titelte die FT zum Spiel, nachdem die NookDirect Bank unerwartet den Zins gesenkt hatte. Es sind solche Kleinigkeiten, die den Reiz aus­machen und das Spiel zu einer Empfehlung nicht nur für Junge, sondern auch Junggebliebene machen. In den vier Wochen nach Produktstart am 20. März verkauften sich 5 Mio. Kopien von «Animal Crossing» – so viele wie bei keinem anderen Spiel zuvor, jemals. Dabei ist es mit 60 Fr. kein Schnäppchen, verspricht aber monatelangen Spielspass.

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