Getestet

Fairphone 3

Die Hände kribbeln beim Auspacken. «Change is in your hands», steht auf dem Fairphone 3. Hoffnung auf das Ende des Smartphone-Ärgers keimt. Des Ärgers, wenn der Akku schwächer und damit ein neues Gerät fällig wird. Ob der Datensammlerei Dutzender vorinstallierter Google-Apps. Fairphone 3 hingegen läuft ausser mit Android-Betriebssystem auch mit /e/OS der Stiftung e Foundation und damit ohne Google-Grundlage. Diverse Bestandteile, vor allem der Akku, sind austauschbar, was eine längere Lebensdauer verheisst. Zudem sind die verwendeten Materialien laut der niederländischen Firma Fairphone fair produziert.

Kunststoffgehäuse ab, Akku raus, SIM-Card rein. «Well done. You’re what progress looks like.» Dann die Ernüchterung: Nach dem Auffahren begrüsst der Google-Assistent. Dutzende ­vorinstallierter Apps, die nicht erwünscht sind. Vorinstalliert auf dem Gerät ist das Android-­Betriebssystem. Ein Wechsel auf /e/OS ist möglich, theoretisch. Und man schaut ja fortschrittlich aus. Die Anleitung zum Wechsel des Betriebssystems ist lang, mit Programmiercodes in weisser Schrift auf schwarzem Bildschirm. Spätestens beim Erreichen dieses schwarzen Bildschirms wird einem als Nicht-IT-Nerd selbst ein wenig schwarz. Die Bitte um Unterstützung im Sunrise-Shop fruchtet nicht, man verkaufe das Gerät nicht. Zurück zum schwarzen Bildschirm. Fairphone selbst bietet zu /e/OS keinen Support. Unterstützung finden Fairphone-­Besitzer auf speziellen Kanälen. Ersatzteile und Anleitungen, wie der mitgelieferte Schraubenzieher eingesetzt werden soll, gibt es auf sinndrin.ch oder ifixit.com. Nicht mitgeliefert werden hingegen Ladegeräte, Kopfhörer, USB-Kabel – das habe man ja meist schon mehrfach daheim, begründet Fairphone.

Inzwischen kribbeln die Hände nicht mehr. Abschied von den Google-Apps gestrichen. /e/OS gäbe es im Online-Shop von e Foundation vorinstalliert auf dem Fairphone 3, Preisschild 480 €. Zu spät gesehen. Bleibt, die Hardware zu testen. Die Kamera, bei früheren Modellen ein Schwachpunkt, ist mit bis zu 12 Megapixel zufriedenstellend. Mit 158 auf 71,8 Millimeter und 189 Gramm ist FP 3 etwas klobig. Der Prozessor mit bis zu 1,8 GHz gilt als mittelklassig. Teure Mittelklasse mit zu ­wenig «Change» – Rückschritt zum Unfairphone.

, Closing Bell / Getestet