Getestet

reMarkable Tablet

Ein Gefühl, wie auf Papier zu schreiben – damit werben die norwegischen Macher des reMarkable Tablet. Tatsächlich ist das Schreibgefühl viel besser als etwa beim iPad. Beim Tablet von Apple ist das Schreiben auf der Glasoberfläche hart und hörbar, beim reMarkable bewegt man den Stift auf einer angenehm weichen Kunststoffoberfläche. Das Display des reMarkable basiert wie das der meisten E-Book-Lesegeräte auf der «elektronischen Tinte» (E-Ink). Damit schont das schwarz-weisse Display ohne Flimmern und nur indirekt beleuchtet die Augen und verbraucht wenig Strom. Dafür muss man den Bildschirm extern anleuchten – eine integrierte Lampe wie in manchen E-Book-Readern fehlt –, und die Aktualisierung des Displays ist relativ langsam. Auf der Webseite von reMarkable, dem alleinigen offiziellen Vertriebskanal des Tablets, kostet das Gerät knapp 500 €. Ein stolzer Preis, für den man eine Menge an Notizblöcken kaufen kann. Denn mehr als Texte schreiben, E-Books und PDF lesen sowie – per WLAN-Verbindung – Dokumente aus der Cloud senden und empfangen kann man mit dem Tablet nicht. Es gibt keinen App Store, und der relativ kleine Arbeitsspeicher offenbart sich beim behäbigen Öffnen grösserer E-Books.

Andererseits ist reMarkable wohl bisher eines der überzeugendsten Produkte, endlich die jahrzehntealte Vision des papierlosen Büros umzusetzen. Wie der Notizblock ist es immer sofort einsatzbereit, die Batterie hält mehrere Tage. Dank des Gewichts von 350 Gramm kann es problemlos mitgenommen werden. Und die ziemlich gute Handschrifterkennung macht das Abtippen von Notizen überflüssig. Auch der Slogan, dass man sich ohne störende Benachrichtigungen von sozialen Medien und E-Mails endlich nur auf das «Papier» vor einem konzentrieren kann, hört sich zumindest theoretisch sehr verlockend an. In einem Blog der Hersteller wird etwa auf eine Studie verwiesen: «Allein das Wissen, dass eine Nachricht auf uns wartet, hält uns von wichtigen Aufgaben ab – so sehr, als würde man einen Telefonanruf annehmen.» Deswegen brauche man einen Ort ohne solche Ablenkungen. Das Argument für wenige Funktionen könnte auch dann ziehen, wenn neue Tablets erscheinen, auf denen man ähnlich angenehm schreiben und lesen kann. Aber um ganz zu überzeugen, müsste der Preis deutlich sinken.

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