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Getrieben von der Idee des digitalen Zahlens

Andreas Sprock, Gründer des Fintech-Start-up milliPay, hat mit seinem Team eine Technologie entwickelt, um Kleinstbeträge einfach und günstig online zu begleichen.

In wenigen Sätzen erklärt Andreas Sprock dem Journalisten, warum niemand bereit sei, Geld für dessen Online-Artikel zu bezahlen: Der 36-jährige Doktor der Informatik wollte vor kurzem einen Beitrag einer deutschsprachigen Wirtschaftszeitung lesen. «Erst musste ich mich registrieren und an einem Testangebot teilnehmen, da steigen die meisten schon aus», sagt er. Doch er blieb dran, so lange, bis er im Kleingedruckten las, dass er nach einer vierzehntägigen Probezeit automatisch 15 Fr. pro Monat zahlen müsse.

Den karnevalsbegeisterten Düsseldorfern wird normalerweise viel Sinn für Humor nachgesagt, doch da verging selbst Andreas Sprock das Lachen: «Wenn ich einen einzelnen Artikel lesen will, dann schliesse ich dafür doch kein Abo ab», sagt der Deutsche trocken und hat für das Problem eine Lösung parat. «Man muss den Kunden mit kleinen Angeboten ins System locken.» Sein Weg dazu heisst milliPay. 2011 von Sprock zusammen mit drei Kollegen in Zürich gegründet, ist die Firma heute eines der vielversprechendsten Start-ups der Schweizer Fintech-Szene (Financial Technology).

Effizienz um Faktor 3000 gesteigert

Die Idee stammt von Tomas Hruz (53). Den Dozenten am Institut für Theoretische Informatik lernte Sprock während seines Studiums an der ETH kennen. Es war denn auch der Ruf der Zürcher Hochschule, der den Rheinländer an die Limmat zog.

Aus einem Patent entwickelten die beiden eine Technologie. Sie erlaubt es, verschlüsselte Online-Zahlungen im Rappen- bis einstelligen Frankenbereich abzuwickeln. Das Revolutionäre daran: Vor milliPay überstiegen auf Anbieterseite die Kosten für den Rechenaufwand den Ertrag vieler solcher kleiner Transaktionen. Das milliPay-Verfahren steigert die Effizienz um den Faktor 3000 und macht die Zahlungen profitabel.

Auf der Kundenseite ist der Dienst vor allem praktikabel. Einmal bei milliPay registriert und ein Prepaid-Konto aufgeladen, bezahlt man digitale Inhalte wie Online-Artikel oder Videos von Anbietern, die den Dienst auf ihrer Webseite integriert haben, stets mit nur einem Klick. «Neue Medien brauchen neue Lösungen», beschreibt Sprock den Anspruch seines Unternehmens und gleichzeitig den Geist der Fintech-Szene.

Bisher rund 4000 Kunden

Zu seinen Partnern zählen das «Schwäbische Tagblatt», der «Böblinger Bote» und die «Torgauer Zeitung». Dazu kommen einige Videoplattformen wie Dctp.tv. Neue Anbieter sollen bald folgen, denn die Zahlen sprechen für sich: Die Zeitungen hätten die Einnahmen gesteigert, selbst die Abozahlen seien gestiegen, sagt Sprock. «Wenn man das systematisch betreibt, steckt da ein gewaltiges Potenzial dahinter.»

Bisher nutzen rund 4000 Kunden den Service. «Wir hoffen, die Zahl in den kommenden Monaten zu verhundertfachen», ist Sprock angesichts eines europaweiten Umsatzes von 13 Mrd. € im Bereich Paid Content zuversichtlich. Zurzeit läuft eine weitere Finanzierungsrunde, um die wachsende Pipeline realisieren zu können, mit dem Ziel bis 2017 selbsttragend zu sein.

Klinken putzen bei den Investoren

Sprock hat bereits viel Durchhaltewillen gezeigt. Denn für ein Fintech-Unternehmen ist dieser Weg oft länger als für andere Start-ups. Sie unterstehen meist der gleichen Regulierung wie die Banken in den jeweiligen Bereichen. milliPay hat mittlerweile den Status eines Finanzintermediärs erhalten, was lange gedauert, so Sprock, und hohe Anwaltskosten verschlungen habe. «Am Anfang sagte man uns sogar: «Das, was ihr machen wollt, das geht regulatorisch gar nicht.»

Es ging am Ende doch, und bis aus dem Start-up ein erfolgreiches Unternehmen wird, heisst es für Sprock und seine Kollegen weiterhin, die Klinken der Investoren zu putzen. Was danach passieren soll? Der sonst so analytische Sprock wird eifernd: «Ich bin von einer Idee getrieben, die heisst milliPay. Egal, was dieser Idee hilft – ein Börsengang oder ein Verkauf –, ich werde es tun.»

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