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Bei VZ Holding stottert der Wachstumsmotor

Analyse | Die Wachstumsdelle zur Jahresmitte ist tiefer als befürchtet. Im Gesamtjahr dürfte der Gewinn stagnieren.

VZ Holding (VZN 72.8 0.83%) ist aus dem Tritt. Die Titel des Finanzdienstleisters büssten rund 10% ein, als am Dienstag klar wurde, dass die Wachstumsdelle im ersten Halbjahr tiefer ausgefallen ist als erwartet.

Der Gewinnrückgang von 5,8% gegenüber dem ausserordentlich starken Vorjahressemester lässt sich zwar mit der Marktsituation erklären: In der Vorjahresperiode hatte die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank zu markanten Mehrerträgen im Devisenhandel geführt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres lähmten die Verwerfungen an den Märkten die Handelstätigkeit der grossteils privaten Kundschaft.

Die hohe Bewertung der VZ-Aktien – sie werden zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 gehandelt – verzeiht jedoch keine Rückschläge. Entsprechend stark korrekturgefährdet sind die Titel, wenn die Wachstumserwartungen verfehlt werden.

Das Halbjahresergebnis hat enttäuscht. Zwar ist der Ertrag im Semester noch 1,2% über den Vorjahreswert gestiegen. Die Wachstumsdynamik hat jedoch deutlich nachgelassen. Gleichzeitig investierte das Management weiter, sodass die Kosten mit 8% das Ertragswachstum klar überstiegen. Auffallend ist zudem, dass die Diskrepanz zwischen Ertragswachstum und Kostenentwicklung so markant ist, obwohl die Anzahl Neuanstellungen mit noch 15 zusätzlichen Vollzeitäquivalenten im Vergleich zur Vorperiode auf weniger als die Hälfte gedrosselt wurde.

Marge in der Vermögensverwaltung unter Druck

Ein Grund für die gedämpfte Ertragssteigerung ist, dass VZ aus den verwalteten Kundenvermögen in der Berichtsperiode für sich weniger effektiv Erträge zu generieren vermochte. Die Managementgebühren stiegen 2,2%, während die Vermögensbasis im Jahresvergleich um 12,1% zugelegt hatte. Die Kunden sind wegen der Unsicherheiten handelsscheu und halten hohe Bargeldreserven. Gleichzeitig belasten den Finanzdienstleister die Negativzinsen. Im Semester lieferte das VZ 1,6 Mio. Fr. an die Nationalbank ab. Die Zinsmarge tendiert gegen null.

Mit annualisiert 12% sprudelte das Neugeld hingegen weiterhin üppig, auch wenn das Tempo vorangegangener Semester nicht hatte gehalten werden können. Zugelegt haben auch die Beratungsgebühren, was das Management als Zeichen liest, dass das Entwicklungspotenzial der Vermögensverwaltung, die rund zwei Drittel des Gruppenertrags erwirtschaftet, ungebrochen ist. Denn aus Personen, die Beratung suchen, werden oft neue Vermögensverwaltungskunden.

Auf diesen beiden Punkten basiert der Optimismus von CEO Matthias Reinhart. Die Investitionen in neue Berater sollen weitergehen. Denn Reinhart erwartet, bereits in der zweiten Jahreshälfte auf den Wachstumskurs zurückzufinden. Die im Jahresvergleich höhere Ausgangsbasis bei den verwalteten Vermögen werde auf die künftigen Finanzzahlen des VZ durchschlagen, ist er zuversichtlich. Er rechnet damit, die gegenwärtige Delle ausbügeln zu können und für das Gesamtjahr einen Gewinn auf Vorjahreshöhe präsentieren zu können. Die meisten Investoren hatten bis vor kurzem wohl mehr erwartet

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