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Gewinne im Spannungsfeld des starken Frankens

Die Frankenstärke ist zurück. Das könnte die Unternehmensgewinne schmälern, wie Anleger befürchten.

Die Frankenstärke meldet sich zurück. Ein Dollar kostet wieder weniger als ein Franken, und der Euro ist für 1.109 Fr. zu haben. Was womöglich das Ferienbudget entlastet, mag den Finanzverantwortlichen der Unternehmen Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Der Euro ist zum Franken im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2018 deutlich schwächer, der Dollar liegt zur Schweizer Währung seit einigen Tagen unter Vorjahr. Das könnte die Unternehmensgewinne schmälern, wie Anleger befürchten.

«Das Thema Währung wird meist dramatisiert, besonders an der Börse», sagt Remo Rosenau, Leiter Research der Helvetischen Bank. «Wechselkursschwankungen können kurzfristig ein Störfaktor für ein Unternehmen sein, langfristig zählen seine Fitness und seine Wettbewerbsposition», fährt er fort. Was den Formstand betrifft, hat Rosenau keine Sorgen: «Die Unternehmen haben seit dem Frankenschock bewiesen, dass sie auf eine starke Heimwährung zu reagieren wissen.»

Diese Ansicht teilt Philipp Lienhardt, Leiter Aktienresearch von Julius Bär (BAER 38.29 -1.31%). «Viele Unternehmen haben ihre Kostenstruktur über die Jahre angepasst und sind mittlerweile nur begrenzt von einem schwachen Euro betroffen.» Auf die Gesellschaften im Swiss Performance Index sollte das keinen messbaren Einfluss haben. Ausnahmen könnten einzelne Unternehmen, etwa in der Uhrenindustrie, und kleine und mittelgrosse Unternehmen sein. Die Gefahr für die Aktienkurse sieht Rosenau an einem andern Ort. «Ob die Gewinnprognosen für das erste Halbjahr einen Tick zu hoch sind, ist für die langfristige Kursentwicklung nicht wichtig. Sollte aus dem Handelsstreit USA–China eine Rezession entstehen, wäre das dagegen schon relevant.»

Zuversichtlich für das erste Halbjahr ist Patrik Schwendimann, stv. Leiter Research der ZKB. «Die Schweizer Unternehmen erfuhren in den ersten sechs Monaten Rückenwind durch den Dollar. Das milderte den Einfluss des schwachen Euros.» Anders könnte seiner Meinung nach das zweite Halbjahr verlaufen. Dann könnten die Wechselkurse zum Thema werden, «falls sich der Franken weiter aufwerten würde». Entspannung wäre gemäss Schwendimann angesagt, wenn die Gespräche zwischen den USA und China Fortschritte in der Lösung des Handelskonflikts bringen. «Dann dürfte der Dollar schon bald wieder stärker werden.»

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