Zum Thema: Die grössten Risiken für die Börsen

Gewinnmargen stossen ans Limit

Die Analystengilde geht davon aus, dass die Gewinnmargen weiter expandieren. Die Plausibilität dieses Szenarios ist jedoch anzuzweifeln.

Auf den ersten Blick mögen die Aktienbewertungen – gerade nach der jüngsten Korrektur – nicht mehr übertrieben hoch erscheinen. Doch basieren sie auf Gewinnschätzungen, die sich als zu optimistisch erweisen dürften. So hat sich etwa in Europa die jüngste Wirtschaftsabkühlung kaum in nach unten revidierten

Konsenserwartungen niedergeschlagen. Die US-Unternehmen dagegen verdanken ihre steigenden Gewinne den hohen Margen: Nirgendwo sonst haben sie sich stärker vom zehnjährigen Durchschnitt abgehoben. Das ist insofern problematisch, als Gewinnmargen die Tendenz aufweisen, zum historischen Mittel zurückzukehren.

Der Informationsdienst FactSet hat die Konsensprognosen für den S&P 500 (SP500 2888.68 1.44%) untersucht: Aktuell setzt die Analystengilde voraus, dass die Margen in den USA weiter steigen, obwohl sie mit rund 10% bereits deutlich über dem früheren Zyklushöchst von 2007 und dem zehnjährigen Mittel notieren. So wird bis Ende nächsten Jahres mit einem stetigen Anstieg auf deutlich über 11% gerechnet. Die Plausibilität dieses Szenarios ist anzuzweifeln. Denn viele Faktoren, welche die Margen unterstützt haben, dürften wegfallen oder sich sogar umkehren. Einerseits haben die amerikanischen Unternehmen in den letzten Jahren spürbar von sinkenden Steuer- und Lohnkosten profitiert. Andererseits hat die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed dazu beigetragen, die Zinsausgaben zu verringern. Letztlich haben sich auch die Aussichten für das Weltwirtschaftswachstum eingetrübt.

Ein weiteres Risiko stellt die mögliche Drosselung der Aktienrückkäufe dar. Im noch vorherrschenden Tiefzinsumfeld haben besonders US-Konzerne reichlich Fremdkapital aufgenommen, um damit eigene Valoren zurückzukaufen. Das hat – wie diverse Studien belegen – das Gewinnwachstum pro Aktie angekurbelt. Dieses Spiel kann nicht mehr lange weitergeführt werden, auch weil die Nettoverschuldung der Unternehmen ein rekordhohes Niveau erreicht hat.

Weniger angespannt präsentiert sich die Situation in der Eurozone: Mit Ausnahme Deutschlands notieren die Margen hier – völlig zurecht – unter dem langjährigen Durchschnitt. Doch scheint eine Steigerung ab diesem Niveau eher plausibel zu sein als in den USA. Angesichts der höheren Arbeitslosenquote dürfte in Europa vorläufig kaum Lohndruck entstehen, der sich belastend auf die Margen auswirken würde. Zudem sind gemäss Analysten der Credit Suisse (CSGN 11.05 1.75%) mögliche positive Zins- und Steuereffekte noch nicht ausgeschöpft.

Tiefer als das langjährige Mittel notieren die Margen auch in den Emerging Markets. Angesichts ihrer starken Korrelation mit den schwächelnden Rohstoffpreisen dürften sie unter Druck bleiben.




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