Märkte / Aktien

Gewinnmitnahmen am Schweizer Aktienmarkt

Der SMI grenzte die Verluste im Verlauf des Donnerstags wieder ein. Die Titel von Richemont litten nach Zahlen besonders.

(AWP) Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt. Nach dem starken Lauf der vergangenen Tage büsste der SMI (SMI 10355.57 0.29%) wegen Gewinnmitnahmen etwas an Terrain ein. Im Fokus der Anleger stand am Berichtstag zum Beispiel der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Allerdings überraschte die EZB die Märkte kaum: Der Leitzins im Euroraum blieb auf dem Rekordtief von null Prozent. Die EZB lege nach den jüngsten massiven Stützungsschritten eine Atempause ein, hiess es in Händlerkreisen.

Gleichwohl erklärten die Währungshüter, sie seien bereit, notfalls die Instrumente anzupassen. Daneben bremsten am Donnerstag durchwachsene chinesische Konjunkturdaten die Kauflaune der Anleger. Schliesslich wurde bekannt, dass der US-Arbeitsmarkt wegen Corona unter Druck bleibt. Letzte Woche stellten erneut 1,3 Millionen Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Vor dem Hintergrund der wieder steigenden Coronavirus-Infektionen stelle sich ausserdem die Frage, wie es mit der US-Wirtschaft nun weitergehe, sagte ein Börsianer.

Der SMI notierte am Donnerstagabend 0,25% tiefer und ging mit 10’433,43 Punkten aus dem Handel. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gab 0,32% auf 1’575,93 Punkte nach und der breite SPI (SXGE 12862.45 0.3%) um 0,25% auf 12’893,61 Punkte.

Zahlen sorgten für Bewegung

Die grössten Einbussen erlitten Temenos (TEMN 130 0.58%). Der Bankensoftwarehersteller hatte am Vorabend die Resultate für das von der Coronakrise beeinträchtigte zweite Quartal vorgelegt und dabei die Erwartungen übertroffen. Die Analysten verwiesen aber auf Sondereffekte und auf die hohe Bewertung der Titel. Entsprechend ausgeprägt waren die Gewinnmitnahmen (lesen Sie hier mehr).

Ebenfalls unter die Räder kamen nach einem schwachen Trading-Update Richemont (CFR 61.38 -0.07%). Die Verkäufe waren im Startquartal des ungeraden Geschäftsjahres um beinahe die Hälfte eingebrochen, womit der Luxusgüterkonzern noch schlechter abschnitt als befürchtet. Ausser in China wurde in allen Regionen klar weniger verkauft (mehr dazu hier). Im Sog von Richemont fielen auch Swatch deutlich zurück.

Etwas deutlicher zurückgebunden wurden zudem AMS (AMS 18.25 4.43%), Vifor Pharma (VIFN 131.4 -1.2%) oder Nestlé (NESN 109.2 0.72%). An der Tabellenspitze etablierten sich Geberit (GEBN 524.2 0.27%), gestützt von einer Aufstufung durch Mainfirst auf «Buy». Eine Analyse der Produkte-Lancierungen zwischen 2008 und 2020 zeigte, dass es dem Sanitärtechnikkonzern wohl leicht gelingen werde, 2021 und 2022 wieder ein organisches Wachstum im gewohnten Bereich von 4 bis 6% zu erreichen, schrieb der zuständige Analyst dazu.

UBS (UBSG 10.285 -0.19%) schnitten etwas besser ab als der Gesamtmarkt. Die Grossbank hatte zwar vor Bundesverwaltungsgericht eine Schlappe im Zusammenhang mit den noch nicht erledigten Amtshilfegesuchen Frankreichs erlitten, in Marktkreisen wurde dies allerdings als eher weniger relevant für den Börsenkurs gesehen (mehr dazu hier).

Im breiten Markt machten Wisekey (WIHN 1.27 3.25%) einen grossen Satz nach oben, nachdem die auf Internet-Sicherheit spezialisierte Firma eine Partnerschaft mit dem französischen Drohnenhersteller Parrot angekündigt hatte.

Im breiten Markt legten Rieter (RIEN 78.4 -0.25%) gegen den Trend zu. Der Spinnereimaschinenhersteller erlitt zwar im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust, der noch höher ausfiel als von Analysten erwartet. Im Ausblick zeigte sich die Gesellschaft aber zuversichtlicher, was positiv aufgenommen wurde (lesen Sie hier mehr).

Die Aktien von Flughafen Zürich (FHZN 127 1.2%) standen noch deutlicher im Plus. Dabei zeigten die Titel zuletzt eine vergleichsweise uninspirierte Entwicklung. Aufwind dürften nun aber unter anderem die abgeschlossenen Gebühren-Verhandlungen mit der Swiss und anderen Fluggesellschaften geben (mehr dazu hier).