Giò Ponti gilt als einer der einflussreichsten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts. Er wird von Kennern verehrt und ist bei Sammlern begehrt. Die breite Öffentlichkeit kennt ihn aber kaum. Giò Ponti schloss 1921 sein Studium am Politecnico in Mailand ab und eröffnete sechs Jahre später sein erstes Architekturbüro.

Nach einer anfänglichen neoklassizistischen Orientierung wandte er sich in den Dreissigerjahren dem Modernismus zu und gründete 1928 das später berühmte Architektur- und Designmagazin «Domus», das bis heute unterbrechungsfrei erscheint und noch immer grossen Einfluss ausübt.

Nach Kriegsende schuf er mehrere wegweisende Objekte wie den aufs blosse Minimum reduzierten, für Cassina entworfenen Stuhl Superleggera (1951). Dieser steht stellvertretend für eine Epoche, in der das italienische Design zu Weltruhm gelangte.

Der ungemein produktive Ponti interessierte sich für die industrielle Produktion ebenso wie fürs Kunsthandwerk. Er prägte die Nachkriegsarchitektur nachhaltig und zeigte neue Wege auf, «schön» zu leben. Nach möglichst viel Transparenz und Leichtigkeit strebend, wechselte er ohne sichtliche Anstrengung das Genre.

Sein Schaffensgebiet reichte vom gigantischen Pirelli-Hochhaus (1960), dem ersten Wolkenkratzer Italiens und damals höchsten Gebäude Europas, über filigrane Tafelservices für den Keramiker Franco Pozzi bis hin zur aerodynamischen Silberteekanne für Christofle.

Bis heute beeinflusst sein schöpferisches Werk wichtige Designer und Architekten. Diesen Herbst widmet das Pariser Musée des Arts Décoratifs dem grossen italienischen Meister eine Ausstellung.

Rund 500 Exponate zeichnen seine lange, multidisziplinäre Karriere (1921– 1978) nach. Objekte aus Architektur und Industriedesign, Möbel, Leuchten, Glaskreationen, Keramik und Goldschmuck geben einen Einblick in sein gestalterisches Universum.