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Glarner Kantonalbank in der Offensive

Der Notstand der Pensionskassen eröffnet der Kantonalbank neue Chancen sich im Hypothekargeschäft als Pionierin hervor zu tun.

Für die Glarner Kantonalbank (GLKBN 25.60 -1.54%) (GLKB) ist es ein Glücksfall. «Das Interesse an der Lizenzierung unseres Hypomats ist sehr gross.» Marcel Stauch, Leiter Onlinevertrieb der GLKB, bestätigt Recherchen der FuW: «Verschiedene Gespräche sind im Gang, auch mit Pensionskassen.» Erste Lizenznehmerin war im Frühjahr die Freiburger KB. Das Aufbrechen der Wertschöpfungskette im Banking wird Realität.

Die verzweifelte Jagd nach Rendite in einem Umfeld mit Negativzinsen veranlasst Pensionskassen dazu, das Hypothekargeschäft zu forcieren. Im Sinne einer kostengünstigen Abwicklung interessieren sich offenbar etliche dafür, digitale Angebote aufzusetzen wie den Hypomat der Glarner KB. Doch das ist nicht die einzige Stossrichtung, denn es macht für die wenigsten Pensionskassen Sinn, das Know-how und die Infrastruktur für die Administration des Hypothekargeschäfts aufzubauen.

Die Glarner KB ist deshalb daran, Angebote zur Abwicklung des gesamten Hypothekargeschäfts für Dritte zu erarbeiten. Die Glarner würden damit zur Pionierin in der Industrialisierung des Schweizer Bankgeschäfts.

Für die Glarner ist der Notstand der Pensionskassen also ein Glücksfall. Eine schwungvolle Lizenzierung und Einnahmen aus Servicegebühren würden es der Bank ermöglichen, Erträge unabhängig vom eigenen Bilanzgeschäft einzuspielen. Allein durch Wachstum der eigenen Hypotheken würden sich die von den Glarnern getätigten Investitionen in Hypomat nicht gleichermassen amortisieren lassen, denn bei der Bank ist die Eigenmittelsituation tendenziell knapp. Allerdings betont Stauch, dass die GLKB problemlos einige Jahre so weiter wachsen kann wie bisher.

Was für die Glarner ein Glücksfall ist, könnte volkswirtschaftlich zum Reinfall werden. Der Regulator hat durch komplexe Vorschriften erreicht, die Auswirkungen des Negativzinses auf die Banken zu dosieren und die Institute vor allzu grossen Risiken im Immobilienbereich zu schützen. Doch die Immobilienpreise dürften infolge des Anlagenotstands der Pensionskassen gleichwohl wieder hochgetrieben werden.