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«Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese», reimt Christian Morgenstern. Und ob wir ihn sehen, dieser Tage: Der Osterhase ist allgegenwärtig. Erstmals erwähnte der deutsche Mediziner und Botaniker Georg Franck von Franckenau (1644–1704) den liebenswürdigen Volksaberglauben an Meister Lampe, der Eier färbt und versteckt – zum Ergötzen der Kinderchen –, anno 1682: zitiert in der Abhandlung «De ovis paschalibus» (Von Oster-Eyern) eines seiner Schüler. Der Brauch, der womöglich in heidnischen Fruchtbarkeitskulten der Germanen wurzelt, breitete sich nach Franckenau von den protestantischen Gebieten des Elsass und der Pfalz allmählich weiter aus in den Landen deutscher Zunge. Auch in der Schweiz, wo heutzutage die Confiseure mit putzigen Schoko-Viechern und -Eiern schwungvoll geschäften; dagegen ist die neue Zivilreligion der Zuckerfreiheit machtlos. Aus christlicher Sicht ist Ostern wichtiger als Weihnachten, kommerziell ist es andersrum. Aber immerhin, wir prassen über die Ostertage, dass die Kassen klingeln. Und während der Mensch überall Osterhasen sieht, guckt ihm vielleicht auch jemand zu: «Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.»