Zum Thema: Solaraktien erinnern an die Dotcom-Blase

Gläubiger zittern weiter

Die Lage im Solarmarkt ist kritisch. Überkapazitäten und Preiszerfall haben eine Pleitewelle in der Branche ausgelöst. SolarWorld ist nur ein Beispiel.

Der Solarsektor hat mehr als ein Problem. Es existieren enorme Überkapazitäten in der Modulproduktion, zwischen den USA und Europa einerseits und China andererseits tobt ein Handelskrieg, und trotz rasanten Preiszerfalls ist Strom aus Photovoltaikanlagen auf Stufe Grosshandel noch eher selten oder immer noch nicht wettbewerbsfähig.

Überkapazitäten und Preiszerfall haben aber eine Pleitewelle in der Branche ausgelöst, die seit einigen Jahren läuft und nun den Höhepunkt erreicht haben dürfte. Selbst der grösste noch kotierte deutsche Wafer- und Modulanbieter SolarWorld musste vorige Woche den Verlust von über der Hälfte des Grundkapitals melden. Seit einigen Wochen führt SolarWorld Verhandlungen zur ­Restrukturierung von ca. 0,9 Mrd. € langfristigen Verbindlichkeiten. «Der Prozess läuft noch», heisst es auf Anfrage.

Aktionäre und Gläubiger stehen vor schmerzhaften Einschnitten – ob die Insolvenz vermieden werden kann, ist offen. Die Liquidität sei ausreichend, sagt Vorstandschef Frank Asbeck. Aber Transparenz fehlt: Die Bilanz 2012 liegt noch nicht vor, muss aber bis 30. April kommen. Auch steht die Einberufung einer ausserordentlichen Hauptversammlung an. Trotz prekärer Lage seines Unternehmens will Asbeck nun die Solarzellenfertigung von Bosch übernehmen.

Flop für Bosch und Siemens

Wie der Münchner Elektroriese Siemens (SIE 144.48 +2.96%) gibt der Autozulieferer Bosch nach enormen Verlusten das Solargeschäft auf. Der Fall ist symptomatisch dafür, wie sehr sich die Industrie verschätzt hat. Dabei hatten Marktanalysten vor allem Bosch zugetraut, mit grossindustrieller Fertigung den Weltmarkt aufzurollen.

Andere Hersteller, die keinen Grosskonzern im Rücken hatten, sind bereits in die Insolvenz gerutscht, wie 2012 der einst weltgrösste Zellhersteller Q-Cells. Er wurde vom Mischkonzern Hanwha (Südkorea) geschluckt. Solon ging an die indisch-arabische Microsol. Die Gläubiger des Solarzulieferers Centrotherm wiederum haben einem Insolvenzplan zugestimmt, in dem Verbindlichkeiten in Aktien gewandelt werden. Der Schweizer Solarspezialist Meyer Burger (MBTN 0.40 +6.38%) steht besser da, muss aber auch das Kapital erhöhen. Die Generalversammlung soll darüber am 25. April entscheiden.

Auch LDK Solar in Nöten

Auch chinesische Wettbewerber sind in schwere Schieflage geraten. Sie trugen wesentlich zu den Überkapazitäten in der Modulproduktion bei und genossen dabei bisher staatliche Rückendeckung. LDK Solar sagte Mitte April, wegen «temporärer Mittelknappheit» eine fällig gewordene Wandelschuldverschreibung nicht voll zurückzuzahlen. Am Dienstag erklärte die deutsche LDK-Tochter Sunways, «aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Photovoltaik­industrie und des Unternehmens» hätten die Banken die Kredite gekündigt.

Wettbewerber Suntech Power wurde im Europageschäft eine provisorische Nachlassstundung gewährt, während die Tochter in China in Insolvenz ging. Gesucht werde nun ein strategischer Investor, hiess es. Es zeigt sich: Ein Revival der Branche ist nur auf Basis effizienterer Produktionsanlagen und mit neuen Geldgebern möglich.