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Unternehmen / Rohstoffe

Glencore im Fokus der «Paradise Papers»

Der Rohstoffkonzern mit Sitz in der Schweiz taucht ganz oben auf der Liste der Unternehmen auf, die im Zuge der Veröffentlichung Tausender Daten der Korruption verdächtigt werden.

Ein möglicherweise weitgreifender Korruptionsskandal dominiert zum Wochenauftakt die Schlagzeilen der internationalen Medien. Unter der Bezeichnung «Paradise Papers» hat das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) die Ergebnisse ihrer Analyse von 13,4 Mio. Dokumenten publiziert. Im Fokus steht dabei auch ein Grossunternehmen mit Sitz in der Schweiz: Glencore (GLEN 407 -0.05%).

Hinweis auf korruptionsverdächtige Geschäfte

Der in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzern steht ganz oben auf der Liste verdächtiger Akteure. Rund 30‘000 Dokumente betreffen das Zuger Unternehmen, wie der «Tages-Anzeiger» am Montag berichtet. Die Unterlagen deuten auch auf korruptionsverdächtige Geschäfte hin.

Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Glencore und dem israelischen Unternehmer Dan Gertler. Der Rohstoffkonzern soll den Diamantenhändler Gertler mit Verhandlungen um Schürfrechte in der Demokratischen Republik Kongo betraut haben. Zwischen 2007 und 2009 habe er im Dienste Glencores gestanden, wie die britische Zeitung «The Guardian» schreibt.

2009 soll Gertler von Glencore einen Kredit in der Höhe von 45 Mio. Fr. erhalten haben, um sich an einer geplanten Kapitalerhöhung von Katanga Mining zu beteiligen. Die Verhandlungen waren schlussendlich erfolgreich, und Glencore übernahm bei einer Kapitalerhöhung den Mehrheitsanteil an Katanga Mining.

Abbaulizenzen zum Spottpreis

Brisant daran ist, dass Glencores Tochtergesellschaft Katanga den Diamantenhändler in der Folge damit beauftragte, Abbaulizenzen der kongolesischen Regierung zu einem sehr tiefen Preis von 140 Mio. $ einzuholen. Damit seien dem Land gemäss den Unterlagen der ICIJ mehrere 100 Mio. $ entgangen, die es durch die Vergabe der Minenrechte hätte einnehmen können.

Der Rohstoffkonzern zeigte sich in einer Medienmitteilung vom Montagmorgen keiner Schuld bewusst. Er bestätigte, dass im Juli 2009 ein Joint-Venture-Vertrag zwischen Katanga und dem Bergbaukonzern Gecamines geschlossen wurde, der die Zahlung von 140 Mio. $ vorsah. «Katanga konnte erfolgreich ihren Standpunkt vertreten, dass die zuvor von Katanga genannte Summe im Wesentlichen korrekt war – dies in Bezug auf die 200 bis 585 Mio. $ die von der kongolesischen Regierung vorgeschlagen wurden.»

Die Summe sei aber bereits vereinbart worden, bevor Dan Gertler das Vermittlungsmandat übernommen habe, wie Glencore betont. Die an der Londoner Börse kotierten Aktien reagierten am Montag im frühen Handel nicht auf die Vorwürfe.

Dan Gertler: Weichensteller der Rohstoffbranche

Dan Gertler ist kein unbeschriebenes Blatt. Dem Abkömmling einer israelischen Diamantenhändlerdynastie werden enge Kontakte zur kongolesischen Regierung unter Präsident Joseph Kabila nachgesagt. Die Nähe zur Politik hat dem 43-jährigen Gertler zum schnellen Aufstieg verholfen.

Seit seiner Niederlassung im von Korruption und politischen Krisen geschüttelten Land 1997 hat er sich einen Namen als Weichensteller in der Rohstoffbranche gemacht. Dabei wurde er mehrfach mit Korruption in den Zusammenhang gebracht und zog die Aufmerksamkeit der Vereinten Nationen auf sich. Besonders kritisiert wurde ein Geschäft zwischen Präsident Kabila und Gertler aus dem Jahr 2001: Dabei soll der Diamantenhändler 20 Mio. $ bezahlt haben, um sich das Monopol auf dem kongolesischen Diamantenmarkt zu sichern.

Glencore hat «rote Linie überschritten»

Für Elisabeth Caesens, Expertin für kongolesische Rohstoffgeschäfte, hat Glencore «eine rote Linie überschritten». Angesichts der Vorgeschichte Gertlers, die allseits bekannt war, und seinen guten Beziehungen innerhalb der Branche und zur kongolesischen Regierung habe der Rohstoffkonzern nicht genügend Vorsicht walten lassen, sagte sie am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur «Bloomberg». Glencore habe sich damit «dem Risiko einer Verletzung der Compliance mit Anti-Korruptionsregeln ausgesetzt».