Unternehmen

Globale Abkühlung macht US-Konzernen zu schaffen

Amerikanische Unternehmen verzeichnen die schwächste Berichtssaison seit Ende der Rezession. Für das Schlussquartal drohen weitere Enttäuschungen.

Corporate America macht sich auf einen mageren Winter gefasst. Das zeigen die Abschlüsse der vergangenen Wochen. Von IT-Schwergewichten wie Apple (AAPL 160.24 +2.19%) und Google über Industrie-Leader wie General Electrics und Caterpillar (CAT 195.92 -1.41%) bis hin zu Rohstoffriesen wie Alcoa (AA 49.14 +2.48%) und ExxonMobil (XOM 61.59 +0.56%) berichten US-Konzerne über ein schwieriges Marktumfeld. Insgesamt haben inzwischen knapp 430 Gesellschaften aus dem Leitindex S&P 500 die Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Rund 70% haben die Gewinnerwartungen gemäss Datendienst FactSet übertroffen. Das liegt zwar etwa im historischen Schnitt, ist aber nur die Hälfte der Geschichte.

Weit schwächer ist die Umsatzentwicklung. Während der Gewinn oft durch Sondereffekte verzerrt wird, lassen sich die Einnahmen kaum schönen. Hier sieht das Bild denn auch weniger freundlich aus: Nur 40% der S&P-500-Gesellschaften haben mit dem Umsatz besser abgeschnitten als erwartet. Das ist der geringste Anteil seit dem ersten Quartal 2009, als die Wirtschaft noch in der Rezession steckte. «Es ist kein Geheimnis, dass die Unternehmensgewinne ernüchternd ausgefallen sind. Noch grösser ist die Enttäuschung aber bei den Einnahmen», meint dazu Aktienstratege Ed Yardeni. Durchwachsene Zahlen kommen vor allem aus den Sektoren Energie und Werkstoffe.

Europa wird zum Problem

Die bislang präsentierten Gewinne sind im Durchschnitt 0,1% tiefer als in der Vorjahresperiode – der Umsatz sogar 1,2% schmaler. Wenn das so bleibt, wäre das der erste Gewinnrückgang seit elf Quartalen. Hinzu kommt, dass die Perspektiven bis Jahresende kaum besser sind: Bislang ­haben 57 Konzerne aus dem S&P 500 den Ausblick für das vierte Quartal gesenkt. Lediglich fünfzehn Unternehmen sprechen von besseren Aussichten. Das ist das schwächste Verhältnis seit dem dritten Quartal 2001, wie der Datendienst Thomson Reuters vorrechnet.

Ein Blick in die Unternehmensberichte zeigt drei Schwachpunkte: Erstens spürt Corporate America die Konjunkturdelle in Europa. Das machen vor allem die happigen Verluste im Europageschäft der Autohersteller Ford (F 10.01 +1.62%) und General Motors (GM 59.86 -0.52%) deutlich. Aber auch IT-Konzerne wie Microsoft (MSFT 336.63 +2.11%) und Oracle (ORCL 92.94 +0.66%) reden von einem Nachfragerückgang auf dem Alten Kontinent. Zweitens tendiert der Dollar zum Euro fester. Das drückt auf den Umsatz, wie Coca-Cola (KO 54.58 +1.58%) und McDonald’s (MCD 250.30 +0.12%) berichten. Drittens verlangsamt sich das Wachstum in den aufstrebenden Märkten. Gerade in China läuft das Geschäft weniger rund, melden zum Beispiel Intel (INTC 50.00 +2.5%) und Caterpillar.

Dass sich an diesen drei Trends in den kommenden Monaten etwas ändert, ist kaum zu erwarten. Die Analysten werden deshalb nicht darum herumkommen, ihre Prognosen für das vierte Quartal weiter zu senken. Primär in den Sektoren Werkstoffe, Industrie und IT wurden die Gewinnschätzungen in den vergangenen Tagen zwar bereits erheblich reduziert. Dennoch rechnen Analysten für die S&P-500-Gesellschaften im Schlussquartal durchschnittlich noch immer mit 5,6% Gewinnwachstum und 2,6% Umsatzzunahme verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Die grösste Ertragssteigerung trauen sie den Sektoren Finanzen und Telecom zu.

Auf defensive Werte setzen

Mit diesen anspruchsvollen Vorgaben drohen weitere Enttäuschungen. Obschon die Notenbanken weltweit die Märkte mit Liquidität fluten, hat der S&P 500 mehr als 4% eingebüsst, seit Alcoa vor gut einem Monat die Berichtssaison gestartet hat. In den kommenden Wochen dürften durchwachsene Nachrichten der Unternehmen sowie das politische Patt in Washington für Turbulenzen an der Börse sorgen. Das spricht für Qualitätsaktien aus den defensiven Sektoren Gesundheit und Basiskonsum. Gesellschaften aus diesen Bereichen haben sich in den vergangenen Monaten wacker geschlagen und erwirtschaften einen hohen Umsatzanteil im Heimmarkt, wo sich die Konjunktur ­robuster entwickelt als im Rest der Welt.