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Unternehmen / Finanz

Risikomodelle der Banken werden limitiert

Zehn Jahre nach der Krise ist die Reform des weltweiten Kapitalstandards für Banken verabschiedet. Der Kapitalbedarf, auch für die Schweizer Grossbanken, steigt erneut.

(Reuters/CP) Die globalen Bankenregulierer haben sich nach zähen Verhandlungen auf neue weltweite Kapitalvorschriften für Banken geeinigt.

Der zuletzt besonders strittige Punkt, inwieweit Banken mit eigenen internen Modellen errechnen dürfen, wie viel Eigenkapital sie bereithalten müssen, wurde über die Festlegung einer Grenze (Output Floor) gelöst, wie der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Der Kompromiss sieht vor, dass der von einer Bank selbst errechnete Kapitalbedarf nicht unter 72,5% des nach einem Standardmodell ermittelten Werts fallen darf. Die meisten Grossbanken nutzen interne, vom Regulator abgesegnete Modelle, um das Risiko der Bilanz zu quantifizieren. Weil die so ermittelten risikogewichteten Aktiven (RWA) sehr gering ausfielen, konnten sie entsprechend wenig Eigenkapital halten.

Bessere Aussagekraft der Kapitalquoten

«Was wir machen wollten, ist, die Glaubwürdigkeit der Kennzahl der risikogewichteten Aktiva wieder herzustellen», sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank sowie derzeit Vorsitzender der Gruppe von Notenbankgouverneuren und Aufsichtsvorsitzenden GHOS, an der Medienkonferenz in Frankfurt.

Das Ziel dieses letzten Reformschritts, in der Bankbranche auch gern als Basel IV bezeichnet, sei es gewesen, die Schwankungsbreite der Resultate der internen Bankmodelle einzuschränken, ohne dass das Bankensystem als Ganzes mehr Kapital benötige.

«Mit dem Output Floor wird vermieden, dass die internen Modelle verwendet werden, um Risiken zu reduzieren», ergänzte Draghi. Umgangssprachlich heisst das, Banken haben ihre Risiken kleingerechnet, und damit ist nun Schluss.

Die neuen Anforderungen werden allerdings trotz der Beteuerung zu Kapitalmassnahmen führen. Basierend auf Daten aus dem Jahr 2015 schätzt die BIZ, dass die weltweit grössten Banken zusammen 90 Mrd. € benötigen werden.

Verschiedene Analystenstudien haben im Vorfeld der Medienkonferenz den Kapitalbedarf für das Bankensystem abgeschätzt. Deutsche-Bank-Analysten schätzen, dass das neue Regelwerk den Eigenkapitalsatz CET1 der europäischen Banken von 13,3 auf 10,4% senkt.

Am schlimmsten betroffen sind diejenigen Banken, deren Risikogewichte im Verhältnis zur nominalen Bilanz besonders gering waren. Dazu zählen neben den skandinavischen Banken auch die Schweizer Grossbanken UBS (UBSG 18.18 0.94%) und Credit Suisse (CSGN 17.57 0.57%). Morgan-Stanley-Analysten schätzten im Vorfeld, dass in der Schweiz die RWA um 35% steigen müssten.

Allerdings überhastet der Basler Ausschuss nichts. Die Änderungen werden erst ab 2022 über fünf Jahre eingeführt. Bis das gesamthaft erneuerte Basler Kapitalwerk eingeführt ist, werden dann also ganze zwanzig Jahre seit der Finanzkrise vergangen sein.

Auf die Frage, ob das Finanzsystem dank den neuen Regeln krisensicher sei, sagte Draghi: «Nichts ist krisensicher. Wir sollten aber die Widerstandskraft des Systems stärken, denn wir können nicht wissen, woher die nächste Krise kommt.»

Mehr als nur Output Floor

Über den Abschluss des Reformwerks wurde im Basler Ausschuss, in dem Notenbank- und Behördenexperten aus 28 Ländern globale Regulierungsstandards erarbeiten, bis zuletzt hart verhandelt.

Das unter dem Stichwort Basel III bekannte Paket 2010 war nach der Finanzkrise im Auftrag der Gruppe der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) angeschoben worden. Mit den neuen Regeln soll das weltweite Bankensystem krisenfester gemacht werden.

Zu dem beschlossenen Reformwerk gehören neben der Beschränkung der internen Risikomodelle auch eine Neuberechnung der Schuldenquote und ein daraus abgeleiteter zusätzlicher Kapitalpuffer (Leverage Ratio Buffer) für global systemrelevante Banken. Ausserdem wurden standardisierte Herangehensweisen bei der Bewertung von Kredit- und Geschäftsrisiken beschlossen.

Nicht durchsetzen konnte sich die Forderung, Staatsanleihen in den Bankbilanzen künftig nicht mehr als risikolos einzustufen. Viele Länder seien dagegen gewesen, sagte Draghi. Im Kern geht es den Befürwortern eines solchen Modells darum, die enge Verknüpfung von Staaten und Banken aufzubrechen.

Viele Institute saugen sich mit Staatsanleihen ihres Heimatlandes sozusagen voll, weil sie dafür kein zusätzliches Kapital vorhalten müssen. Dieses Verhalten kann eine Krise verschärfen und Banken sowie Staaten im schlimmsten Fall gleichermassen destabilisieren.