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Gold bleibt trotz Stimmungstief an den Finanzmärkten glanzlos

Warum der Goldpreis seit gut einem Monat mehr oder weniger auf der Stelle tritt.

(AWP) Hat eine Feinunze Gold rund um die Eskalation im Ukraine-Konflikt von Ende Februar in der Spitze 2070 $ gekostet, so waren es zuletzt keine 1820 $ mehr. Das ändert allerdings nichts daran, dass das Edelmetall mit einem leichten Plus seit Jahresbeginn gegenüber Anleihen und Aktien noch immer ganz klar die Nase vorn hat.

Dass der Goldpreis nunmehr schon seit gut vier Wochen mehr oder weniger an Ort und Stelle tritt, erklären sich Experten wie der Rohstoffstratege Carsten Menke von der Bank Julius Bär (BAER 50.42 +0.36%) mit den jüngsten geldpolitischen Entscheiden. Nach einer Erhöhung der Leitzinsen um 50 Basispunkte durch die US-Notenbank anlässlich ihres Mai-Treffens scheinen ihre Vertreter die Finanzmärkte im Hinblick auf das nächste Treffen sogar auf einen noch umfassenderen Zinsschritt vorzubereiten.

Steigende Zinsen sind Gift für den Goldpreis

Für Experten ist die Gleichung denkbar einfach: Steigende Dollar-Zinsen sind Gift für den Goldpreis. Zum einen steigen für Anleger dadurch die Opportunitätskosten, wirft das Edelmetall doch keine Erträge ab. Zum anderen besteht nunmehr schon seit Jahren eine Wechselwirkung zwischen dem Dollar und der Goldpreisentwicklung.

Steigt der Dollar, taucht der Unzenpreis – und umgekehrt. Aus der Sicht eines in Franken rechnenden Anlegers fällt zumindest der Währungseffekt jedoch weniger stark ins Gewicht. Denn für gewöhnlich steigt oder taucht der Dollar nicht nur gegen das Gold, sondern auch gegen den Franken. Dadurch verringern sich in Franken betrachtet die Schwankungen.

Für Carsten Menke von der Bank Julius Bär steht die Goldpreisentwicklung weiterhin ganz im Bann der Politik der US-Notenbank. Solange die Strategie letzterer als glaubwürdig angesehen werde und die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession abrutsche, dürften die Edelmetalle eher Gegen- als Rückenwind verspüren. Er glaubt deshalb nicht an einen höheren Goldpreis. Menke sieht den Preis für eine Feinunze des Metalls bis in drei Monaten bei 1850 $ und auf 12 Monate sogar nur bei 1700 $ stehen.

Banken sehen beim Goldpreis kaum Aufwärtspotenzial

Mit dieser Einschätzung steht der Rohstoffstratege der Bank Julius Bär nicht alleine da. Sein Berufskollege Carsten Fritsch von der Commerzbank (CBK 7.06 -2.51%) ist mit seiner Jahresendprognose eines Unzen-Preises von 1900 $ hingegen nicht ganz so pessimistisch wie Menke. Doch auch Fritsch sieht in der restriktiveren Geldpolitik führender Zentralbanken ein Argument, welches zumindest vorderhand gegen einen höheren Goldpreis spricht.

Gleichzeitig lasse sich von der inversen Zinsstruktur aber auf eine mögliche Rezession schliessen. Hintergrund sei die Befürchtung, die US-Notenbank könnte die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation zu stark anheben und damit die Wirtschaft abwürgen. Das sei auch eine mögliche Erklärung dafür, dass der Goldpreis den Renditeanstieg bis zuletzt überraschend gut wegstecken konnte, wie der Commerzbank-Experte weiter schreibt.

Nicht weit auseinander liegen die Prognosen der beiden Schweizer Grossbanken UBS (UBSG 15.85 +1.90%) und Credit Suisse (CSGN 5.37 +2.17%). Während die UBS den Preis für eine Feinunze bis Ende Jahr auf 1700 $ zurückfallen sieht, rechnet die Credit Suisse bis in 12 Monaten mit einem Unzen-Preis von 1750 $. Beides liegt unter den von Bloomberg ermittelten durchschnittlichen Bankenschätzungen. Von diesen lässt sich für Ende 2022 ein Goldpreis in Höhe von 1883 $ ableiten.

Gold eine sinnvolle Ergänzung für das Wertschriftenportefeuille

Einen ganz anderen Ansatz als viele seiner Berufskollegen verfolgt John Plassard von Mirabaud Securities. Der Stratege schliesst nicht aus, dass sich die Anleger an Gold als “Hort der Sicherheit” zurückbesinnen könnten. Denn wie er schreibt, hatten diese in den vergangenen drei Monaten sowohl auf ihren Aktien- als auch auf ihren Anleihenengagements die umfassendsten Kursverluste seit Beginn der Erhebung im Jahr 1990 zu beklagen.

Plassard räumt zwar ein, dass das Edelmetall – anders als Anleihen oder Aktien – weder Zinserträge noch Dividenden abwirft. Angesichts der zahlreichen Gefahrenherde sieht er im Gold allerdings eine sinnvolle Ergänzung fürs Wertschriftenportefeuille. Als mögliche Gefahrenherde nennt er politische, geopolitische sowie monetäre Risiken.

Etwas zurückhaltender gibt sich der Stratege, was die Bedeutung von Gold in Zeiten hoher Inflation anbetrifft. Er sieht im Edelmetall nur sehr langfristig einen Schutz vor einem Kaufkraftverlust. Auf kurze Sicht biete es hingegen kaum einen Schutz, wie Plassard weiter schreibt. Er stützt sich dabei auf Erhebungen ab, die zeigen, dass die Korrelation zwischen der Entwicklung des Goldpreises und jener der Konsumentenpreise kurzfristig sehr gering ist.

Dennoch setzt man bei Mirabaud Securities zwecks einer breiteren Abstützung der Risiken von Wertschriftenportefeuilles als Beimischung auf Gold. In welchem Ausmass das der Fall ist, verrät Plassard nicht.

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