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Gold – eine Wette auf niedrige Zinsen?

Die Inflationsrate erklärt den Goldpreis nicht. Die realen Zinsen schneiden zur Vorhersage deutlich besser ab.

Alexander Trentin

Viele Menschen kaufen Gold, um gegen eine Entwertung des Papiergelds geschützt zu sein. Gold scheint seinen Wert immer beibehalten zu haben – während Papierwährungen nicht allzu positiv auf Kriege, Hyperinflation und Revolutionen reagieren.

Trotzdem lässt sich der Verlauf des Goldpreises nur schlecht mit der Inflationsrate erklären. Dies zeigt eine Analyse auf dem Ökonomen-Blog Noahpinion. Seit 1970 lässt sich kein deutlicher Zusammenhang zwischen der jährlichen Inflationsrate und der Veränderung des Goldpreises feststellen. Auf der folgenden Grafik ist die jährliche Inflationsrate auf der X-Achse und die jährliche Preisänderung in Gold auf der Y-Achse abgetragen:
Inflation
Quelle: http://noahpinionblog.blogspot.jp

Was seit 1970 den Goldpreis dagegen ziemlich gut erklärt, sind die realen Zinsen. «Real» meint hier den Zins nach Abzug der Inflationsrate (im Gegensatz zum nominalen Zins). Mit niedrigeren Zinsen steigt der Goldpreis. Die Überlegung dahinter: Die Opportunitätskosten des Haltens des Edelmetalls steigen mit höheren Zinsen. Opportunitätskosten sind der entgangene Gewinn. Kauft ein Anleger Gold, verzichtet er auf eine laufende Rendite seines Vermögens. Diese entgangene Rendite ist besonders schmerzhaft, wenn der Zinssatz hoch ist.
Zinssatz
Quelle: http://noahpinionblog.blogspot.jp

Woher kommt die Vorstellung, dass Gold vor Inflation schützt? Der Blogbeitrag sieht die Erfahrung in den 70er und 80er Jahren als Grund dafür, dass Anleger vor der Teuerung in das Edelmetall fliehen. In diesen zwei Jahrzehnten gab es einen Zusammenhang zwischen der (US-)Inflation und dem Goldpreis:
Zinssatz
Quelle: Bloomberg, FuW

Doch das könnte eine «spurious correlation» – eine täuschende Korrelation – sein. Denn mit der höheren Inflation sind gleichzeitig die realen Zinsen zurückgegangen. Das könnte damals der tatsächliche Treiber gewesen sein.

Richtet sich der Goldpreis tatsächlich nach den realen Zinsen, dann wäre das Halten von Gold eine Wette auf niedrigere Zinsen. Doch in diesem Jahr sind die  Zinsen am Steigen: Der Markt geht von einer sich bessernden Konjunktur in den USA aus, was dem Fed ermöglichen würde, seine Anleihenkäufe herabzufahren und schliesslich die Leitzinsen zu erhöhen. Läuft die Wirtschaft schlechter als erwartet, könnte aber eine Wette auf Gold Gewinne bringen.

Trotz des Zusammenhangs zwischen Zinsen und Goldpreis: Nicht vom Tisch ist die Eigenschaft von Gold als Schutz des Vermögenswerts in schweren Krisen. Eine höhere Inflation bedeutet vielleicht nicht automatisch einen höheren Goldpreis. Aber bricht der Wert des Gelds zusammen, dann sind alle Sachwerte von Vorteil. Gold ist dann besonders gefragt, weil es sich so einfach in Form von  Münzen und Barren verschieben und verstecken lässt.

 

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