Märkte

«Gold ist die älteste Investment-Idee»

Fragen zur lockeren Geldpolitik, zur Stabilität der Finanzmärkte und zur Zukunft des Währungssystems sind aktueller denn je. Das zeigt eine hochkarätige Investorenkonferenz in New York.

Christoph Gisiger, New York

Der Schock war nur von kurzer Dauer: Nach dem Kursbeben der letzten Woche scheinen die Sorgen an Wallstreet schon wieder verfolgen. Der Nasdaq Composite verzeichnete am Dienstag den grössten Tagesgewinn seit Januar 2013. Der breiter gestreute S&P 500 avancierte satte 2% auf 1941,28 und hat den Rückschlag seit dem Rekordhoch von Mitte September bereits zur Hälfte wettgemacht.

Jim Grant rät jedoch weiterhin zu Vorsicht: «Man kann nicht beides haben: kontrollierte Preise und ein stabiles Finanzsystem», sagt der Herausgeber des renommierten Investmentbulletins «Grant’s Interest Rate Observer». Er veranstaltet jeweils im Frühling und Herbst eine Konferenz für Investoren in New York, zu der sich gestern rund dreihundert Teilnehmer eingefunden hatten.

Orchestrierte Börsenkurse

Mit seiner Aussage spielt Grant auf die Risiken der ultralockeren Geldpolitik an. «Tiefe Zinsen sind mit Blick in die Vergangenheit nicht neu. Neu ist aber, dass dadurch Kursavancen staatlich orchestriert werden», hielt er fest. In den vergangenen Jahren seien die Interventionen der Zentralbanken immer extremer geworden. «Die Konsequenzen davon werden überraschend und beunruhigend sein», warnte er.

Das Federal Reserve hat zwar signalisiert, das Stimulusprogramm QE3 im November zu beenden. Grant ist jedoch davon überzeugt, dass es die Liquiditätsspritze höchstens vorübergehend beiseitelegen wird. «Irgendwann wird die permanente Stimulation eine gewaltige Reaktion auslösen, die sowohl das Vertrauen in die US-Notenbank wie auch in den Dollar untergräbt», fürchtet der unkonventionelle Investmentprofi.

Simon Mikhailovich, Mitbegründer der Anlagegesellschaft Eidesis Capital, sieht in einem solchen Szenario Gold als besten Schutz. «Die Kaufkraft von Gold ist gemessen am Ölpreis seit dem Zweiten Weltkrieg nahezu konstant geblieben. Im Vergleich dazu hat der Dollar 98% an Wert verloren»,  sagte er während seines Referats im Konferenzsaal des Hotel Plaza.

China und Russland häufen Gold an

In der vormaligen Sowjetunion aufgewachsen, macht Mikhailovich zudem ein immer grösseres Konfliktpotenzial zwischen Ost und West aus. So hält er es durchaus für denkbar, dass ein Hackerangriff auf die Grossbank J.P. Morgan Chase eine Antwort Russlands auf die Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukrainekrise war. Um die globale Vorherrschaft des Dollars zu brechen, würden Russland und China zudem massive Goldreserven anhäufen.

Gemäss Mikhailovich könnten sich westliche Investoren daher plötzlich mit einem Szenario konfrontiert sehen, in dem die bisherigen Regeln an den Finanzmärkten nicht mehr gelten. Er hat vor diesem Hintergrund das Unternehmen Tocqueville Bullion Reserve gegründet, das auf die physische Lagerung von Gold unter Umgehung des Bankensystems spezialisiert ist. «Gold ist die älteste Investment-Idee, es ist jetzt wieder Zeit dafür», schloss er.

Auf eine andere Alternative setzt Bill Ackman. Der erfolgreiche Aktionärsaktivist hat vergangenes Jahr zusammen mit anderen Investoren für 90 Mio. $ ein Top-Luxusappartement in Manhattan mit Blick auf den Central Park gekauft. «Das ist eine gute Absicherung gegen den Dollar», meinte der Chef des Hedge Fund Pershing Square.

Vormaliger Barclays-Chef setzt auf Afrika

Bob Diamond macht derweil Chancen in Afrika aus. Der frühere Chef der britischen Grossbank Barclays musste im Sommer 2012 nach einem Skandal um die Manipulation des Libor-Zinses zurücktreten. Daraufhin hat er seine eigene Geschäftsbank gegründet, die unter dem Namen Atlas Merchant Capital firmiert und seit Ende 2013 an der Londoner Börse kotiert ist.

Diamond geht davon aus, dass sich die Grossbanken in den USA und Europa wegen der strengeren Kapitalauflagen vermehrt auf den Heimmarkt konzentrieren müssen. Das eröffne anderen Wettbewerbern attraktive Perspektiven, etwa in Afrika, wo die demografische und die wirtschaftliche Entwicklung für kräftiges Wachstum im Finanzsektor sprechen würden. «In Nigeria zum Beispiel haben bislang lediglich 25% der Bevölkerung Zugang zu einem Bankkonto», hielt er fest.

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