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Goldanleger wetten auf tiefe Renditen

Der Goldpreis springt über 1400 $ auf den höchsten Stand seit September 2013. Es ist kein gutes Zeichen, wenn das Edelmetall so attraktiv erscheint.

Der Goldpreis ist zeitweise auf 1411 $ je Unze gestiegen und erreichte damit den höchsten Wert seit September 2013. In der Welt rentieren so viele Anleihen unter null wie noch nie – deren Volumen beträgt nun 13 000 Mrd. $. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fällt unter 2%. Diese Meldungen hängen zusammen. Wenn immer mehr Anleihen nichts oder wenig rentieren, desto attraktiver ist das Edelmetall.

Seit August letzten Jahres ist der Goldpreis 18% gestiegen. Und seit Ende Mai geht es fast vertikal nach oben, der Unzenpreis legte in den vergangenen drei Wochen über 100 $ zu. Ende Mai war denn auch der Zeitpunkt, als die Erwartungen für die US-Zinsen kollabierten.

In wenigen Tagen preisten die Märkte damals grosse Zinssenkungen ein. Das kann man an den Erwartungen für den kurzfristigen Zins ablesen: Die Marktteilnehmer rechneten Mitte Mai noch, dass der Zins in 18 Monaten über 2% notieren wird – Ende Mai waren es dann unter 1,6%. Die seitdem tief gebliebenen Zinserwartungen in den USA und die Signale aus der Eurozone, die auf eine Zinssenkung hinweisen, treiben den Goldpreis an.

Zusammen mit der Preisrally wachsen die Kauf-Positionen der spekulativen Finanzinvestoren – etwa Hedge Funds – auf dem Terminmarkt. Auch ist das Volumen von gehandelten Call-Optionen auf der Chicagoer Metallbörse CME fast doppelt so hoch wie im 12-Monats-Durchschnitt. Auch Privatinvestoren greifen zu. Das zeigen die Goldvolumen, die von börsengehandelten Fonds (ETF) gehalten werden. ETF halten 72,6 Mio. Unzen – das sind über 2 Mio. Unzen mehr als noch Ende Mai.

Noch in den vergangenen Quartalen waren es nicht private Anleger, welche die Goldnachfrage hochgehalten haben – das Edelmetall profitierte von Zentralbanken wie Russland, China und Kasachstan, die ihre Reserven zu Gold (Gold 1502.22 0.26%) diversifiziert haben.

Analysten der UBS (UBSG 11.3 -1.87%) sehen den Goldpreis angesichts der sinkenden Renditen und der politischen Unsicherheit in der nächsten Zukunft als gut gestützt an. Gold ist als sicherer Hafen bekannt, der regelmässig von Politrisiken profitiert. Und davon gibt es gegenwärtig genug – man denke an die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China oder den Brexit. Gemäss UBS-Analysten könne es zwar zu Rückschlägen kommen, wenn sich positive Entwicklungen auf der Weltbühne anbahnen. Aber die Marktakteure würden die Schwäche dann für Zukäufe nutzen.

Es ist ein trauriges Zeichen, wenn Investoren eine Anlageklasse ohne Cashflow wie Gold attraktiv finden. Daher gibt es keine Euphorie: Angesichts um sich greifender Rezessionsängste und den garantierten Verlusten bei vielen Anleihen fehlen einfach die Alternativen.

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