Meinungen

Goldgräber

Gold ist nicht mehr billig. Warum es dennoch ins Depot gehört. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Wer denkt, dass der Kurs nur noch nach oben zeigen wird, der täuscht sich.»

Was meinen Sie – wieviel hat ein Anleger bis heute verdient, wenn er im Spätsommer vor neun Jahren  10’000 $ in Gold (Gold 1774.81 0.11%) investiert hat?  

Verdient? Schön wär’s. Er hat rund 700 $ verloren. Wer auf Gold setzt, muss sich bewusst sein, dass der langfristige Aufwärtstrend in der letzten Dekade gebrochen wurde. Kann man mit Gold dennoch Geld verdienen? Wie so oft kommt es aufs Timing an. Als ich Gold an dieser Stelle im Oktober 2018 empfahl, kostete die Feinunze 1200 $. Mittlerweile notiert sie 50% höher.

Doch was soll der Anleger nun tun? Weiter auf Gold setzen, als Diversifizierung zu seinem Aktien- und Obligationenportfolio? Angesichts der Avancen der vergangenen Monate lieber Positionen abbauen, oder sich gar ganz aus Gold verabschieden?  

Im Moment sind viele Anleger «Long» auf Gold. Der Goldbestand aller von Bloomberg erfassten grössten Gold-ETF ist in den vergangenen Monaten auf ein Rekordniveau und einen Gesamtwert von 180 Mrd. $ gestiegen. Auch Hedge Funds sind eher «Long» (Lesen Sie hier mehr.») Das ist durchaus nachvollziehbar. Die Pandemie, die unsichere Wirtschaftslage, niedrige Zinsen und ein wackeliger Dollar – das alles spricht für Gold.

Dennoch, wer in den nächsten Monaten richtig Geld verdienen will, sollte nicht auf Gold setzen. Viele Kurstreiber sind auf diesem Niveau bereits vorweggenommen. Grosse Sprünge sind nicht zu erwarten. Es bleibt aber dabei: Gold ist als Diversifizierung für ein Portfolio unverzichtbar. Übergewichtet werden sollte das Edelmetall jetzt aber nicht. Ein Rückschlag im Ausmass von 2013 ist zwar unwahrscheinlich, doch wer denkt, dass der Kurs nur noch nach oben zeigen wird, der täuscht sich.

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