Meinungen

Goldige Zeiten

Gold hat seine Funktion als sicherer Hafen wiedergefunden. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Weitere Avancen sind realistisch.»

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich an dieser Stelle Gold (Gold 1682.57 2.39%) als unverzichtbare Diversifikation empfohlen. Damals kostete die Feinunze 1200 $, jetzt sind es 1500 $. Ein Preisanstieg von 25%. Zum Vergleich: Der Swiss Market Index (SMI (SMI 10813.3 -2.68%)) hat in derselben Zeitspanne 10% gewonnen.

Nach langer Durststrecke hat Gold seine Funktion als sicherer Hafen wiedergefunden. Neben der Suche nach Alternativen in einem Umfeld negativer Zinsen und politischer Unsicherheit hat der Umstand, dass Notenbanken kräftig Gold kaufen, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren, für die Avancen gesorgt. In den vergangenen Monaten kam eine weitere Komponente hinzu: Exchange-Traded Funds (ETF) auf Gold liegen extrem im Trend. Der Wert aller Holdings in physischen Gold-ETF hat in wenigen Monaten beachtliche 40% zugenommen.

Heisst das nun, dass der Goldpreis weiter steigt? Als es 2016 eine ähnliche Entwicklung gab, schwächte sich die Nachfrage recht schnell ab. Der Goldpreis fiel von 1350 auf knapp 1100 $. Das ist dieses Mal nicht zu erwarten. Die Sorgen um einen Crash am Aktienmarkt steigen. Gekoppelt mit dem Niedrigzinsniveau wird das Anleger davon abhalten, ihre Goldpositionen aufzulösen. Gleichzeitig werden Investoren, die Gold lange den Rücken gekehrt haben, vermehrt auf das Edelmetall setzen.

Die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken stabilisiert die Entwicklung weiter. Wer erwartet, dass Gold wie 2011 auf direktem Weg zu 2000 $ ist, dürfte zwar enttäuscht werden, doch weitere Avancen sind realistisch. Deshalb gilt auch jetzt wieder: Gold ist für jedes Portefeuille als Beimischung unverzichtbar.