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Goldman Sachs verdient deutlich weniger

Zwar boomt bei der US-Investmentbank das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, doch geringe Handelsaktivitäten belasten.

(Reuters) Amerikas führende Investmentbank Goldman Sachs (GS 291.79 -1.82%) meldet trotz boomender Geschäfte mit Fusionen und Übernahmen schrumpfende Gewinne. Schwache Aktivitäten im Handel führten dazu, dass der Nettogewinn im vierten Quartal 2021 binnen Jahresfrist um 13% auf 3,81 Mrd. $ sank, wie die Wall-Street-Bank am Dienstag mitteilte. Für das Sommerquartal hatte Goldman noch einen Gewinnsprung bekannt gegeben. Pro Aktie wurden 10,81 $ erwirtschaftet, was unter den Erwartungen der Analysten lag. Bei Anlegern kam dies nicht gut an: Goldman-Sachs-Aktien brachen zu US-Börsenbeginn rund 8% ein.

In der Handelssparte schrumpften die Gewinne im Vergleich zum Schlussquartal 2020. Eine wieder stabilere Konjunkturentwicklung im Vergleich zum ersten Corona-Krisenjahr trug dazu bei, dass sich die Ausschläge an den Finanzmärkten in Grenzen hielten. Die Sparte Global Markets, in der Goldman seine Handelsaktivitäten führt, erzielte Erträge von annähernd 4 Mrd. $ – ein Rückgang von 7%. Der Bereich steuert rund ein Drittel der Gesamterträge des Geldhauses bei. Im Anleihenhandel erwirtschaftete Goldman Sachs Einnahmen auf Vorjahresniveau, im Aktienhandel schrumpften sie um 11%.

Insgesamt erzielte das Finanzinstitut von Oktober bis Dezember Nettoerträge von 12,64 Mrd. $ – ein Anstieg von 8%. Glanzlicht war einmal mehr das Investmentbanking. Das Bankhaus erwirtschaftet einen grossen Teil seiner Erträge mit lukrativen Gebühren für die Beratung bei den weltgrössten Übernahmen und Firmenzusammenschlüssen. Das anhaltende Fusionsfieber sorgte dafür, dass die Einnahmen im Investmentbanking im Quartal binnen Jahresfrist um 45% auf 3,80 Mrd. $ in die Höhe schnellten. Rund lief es auch bei Börsengängen und bei Transaktionen mit speziellen börsennotierten Firmenmänteln, sogenannten Spacs (Special Purpose Acquisition Companies).

Morgan Stanley (MS 74.88 -1.62%) und Bank of America (BAC 30.74 -1.60%) am Mittwoch erwartet

Auch das im Vergleich zu anderen US-Banken relativ kleine Privatkundengeschäft der Bank Marcus entwickelte sich positiv im abgelaufenen Quartal. Die Erträge wuchsen um 8% angetrieben von höheren Kreditkarten- und Kontoguthaben.

Die grösste US-Bank JP Morgan, deren Ergebnis häufig als Gradmesser für die Verfassung der US-Wirtschaft gesehen wird, hatte bereits am Freitag ihre Quartalszahlen vorgelegt. Bei ihr war das Bild ebenfalls zweigeteilt. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen florierte, während das Handelsgeschäft schwach verlief. Die JP Morgan-Aktie büsste daraufhin rund 6% ein. Am morgigen Mittwoch werden noch die Quartalsberichte der Rivalen Morgan Stanley und Bank of America erwartet.

Wie die Deutsche Bank (DBK 7.70 -0.76%) abgeschnitten hat dürfte am 27. Januar klar werden. Dann will der deutsche Branchenprimus sein Zahlenwerk präsentieren.