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Goldpreis läuft gegen die Intuition

Die Krise um den US-Haushalt ist vorerst gelöst – warum steigt dann der Preis für den Risikoschutz Gold?

Alexander Trentin

Eigentlich wäre der dramatische Streit über die Schuldengrenze der USA die klassische Situation gewesen, in der Gold (Gold 1426.05 0.04%) als sicherer Hafen hätte brillieren können. Immerhin kam die Welt sehr nahe an einen Zahlungsausfall der USA, die in normalen Zeiten als sicherster Schuldner der Welt angesehen werden. So sind die Renditen auf US-Schatzbriefe zeitweise auf den höchsten Stand seit dem Lehman-Kollaps gestiegen.

Doch der Goldpreis hatte seit dem 1. Oktober – dem Start des Government Shutdown – bis vor der Einigung am Donnerstag keinen Boom zu verzeichnen. Er sank von 1330 $ je Feinunze am 1. Oktober auf 1282 $ am Mittwoch: ein Preissturz von fast 4%. Zeitweise lag der Kurs sogar unter 1260 $.

Quelle: Bloomberg

Am Donnerstag war ganz offiziell, dass die Einigung durchkommt. Präsident Barack Obama unterschrieb das Gesetz, das die Finanzierung der US-Verwaltung bis mindestens Mitte Januar sicherstellt. Doch wie reagierte Gold? Der Intraday-Chart verrät es:

Quelle: Bloomberg

Pünktlich zum Handelsstart in Europa schoss der Preis des Edelmetalls um über 3% nach oben. Ganz und gar nicht das Verhalten, das man von einem sicheren Hafen erwarten würde.

Viel wichtiger für die Erklärung des Goldpreises scheint ein anderer Faktor zu sein: der Dollar. Hier der Wechselkurs zum Euro seit dem 1. Oktober:

Quelle: Bloomberg

Der Dollarkurs bewegte sich seit dem 1. Oktober in einer engen Bandbreite zwischen 1.35 und 1.365 €/$. Mit der Lösung im Haushaltsstreit scheint diese Trading Range durchbrochen zu sein: Der Kurs sprang nach oben – der Dollar hat an Wert verloren. Grund ist wohl, dass der eigentlich sichere Hafen der Dollar war. Dazu kommt, dass die US-Konjunktur unter dem Verwaltungsstillstand gelitten hat, daher wird das Fed seine Anleihenkäufe wohl nicht zurückfahren. Das spricht für den schwächeren Dollar.

Mit dem schwächeren Dollar wird Gold in anderen Währungen günstiger – der Goldpreis scheint sich nun an den neuen, schwächeren Ausblick für den Dollar anzupassen. Mit der Funktion des sicheren Hafens kann man die Wertschwankungen des Edelmetalls aber wirklich nicht erklären.

Leser-Kommentare

Guiseppe Meroni 20.10.2013 - 10:25

Sobald die Aktien sinken werden die Goldaktien höher

Martin Merz 20.10.2013 - 15:32
Nach meiner Meinung wurde dieses Jahr die langjährige Hausse des Goldpreises beendet. Nun ist der Goldpreis in den Händen der Spekulanten, Ausschläge nach oben oder unten dürften zunehmen. Von dieser Hausse konnten Anleger in Goldminenaktien, wie ich, leider nicht profitieren. Eigentlich hätten Goldminen stärker ansteigen müssen als Gold, aber aus diversen Gründen taten sie es nicht. Noch Anfang 2013 wurde… Weiterlesen »