Meinungen

Goldrichtig

Gold hatte bisher ein ausgezeichnetes Jahr. Doch jetzt wird die Luft dünner. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Gold wird in den nächsten Monaten keine grossen Sprünge machen»

Wer geglaubt hatte, Gold (Gold 1871.32 -0.35%) würde die Hürde von 2000 $ je Feinunze locker nehmen und dann schnell Richtung 3000 weiterziehen, hat sich getäuscht. 2000 $ wurden im August zwar für kurze Zeit erklommen, doch seither fluktuiert der Goldpreis zwischen 1850 und 1950 $. Dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die von Gold 3000 oder gar 10’000 sprechen.

Als Treiber wird ähnlich wie im Aktienmarkt die Liquiditätszufuhr der US-Notenbank, gekoppelt mit einem möglichen Stimuluspaket für die Wirtschaft, ins Feld geführt. Dazu kommen die Unsicherheit an den Aktienmärkten, Anlagenotstand, der immer höhere Barbestand auf Sparkonten und Inflationsgefahr (Lesen Sie hier mehr»). Durchaus gute Argumente.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Gold wird in den nächsten Monaten keine grossen Sprünge machen. Der Goldpreis ist seit Anfang Jahr bereits rund 30% gestiegen. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Realrenditen im Bondmarkt weiter gesunken sind. Diese Entwicklung ist einerseits bereits eingepreist, andererseits ist kaum mehr Raum für noch niedrigere Realrenditen. Der Treiber fällt im Moment also weg.

Dennoch gibt es Gründe, auf das Edelmetall zu setzen. Gold ist noch immer ein guter Schutz gegen kleinere und grössere Korrekturen am Aktienmarkt. Zwar sollten Anleger nicht erwarten, dass der Preis massiv anzieht, wenn der Aktienmarkt taucht, doch wer vor allem Kapitalschutz will, der liegt mit dem Edelmetall goldrichtig. Allein deshalb sollte Gold in keinem ausgewogenen Portfolio fehlen. Grosse Kurssprünge wird es allerdings erst wieder geben, wenn die Realzinsen kräftig anziehen; und das wird noch eine Weile dauern.

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