Meinungen

Goldschimmer

Das Edelmetall trumpft in den vergangenen Wochen mit einer Performance auf, die viele andere Rohstoffe in den Schatten stellt. Das Blatt hat sich gewendet. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Goldanleger sind auf Gedeih und Verderb auf die reine Kursentwicklung angewiesen.»

Endlich glänzt es wieder, das Gold. Anleger in das Edelmetall brauchen im laufenden Jahr starke Nerven. Der Silvesterrausch wurde gleich zu Jahresbeginn ausgedehnt. Anfang Januar sah so mancher Analyst den Goldpreis 2000 $ pro Unze übersteigen. Ganz so weit ging die Kursrally nicht, bei etwa 1950 $ war Schluss, und die Ernüchterung folgte auf dem Fuss. Im März musste ein Tief deutlich unter 1700 $ verkraftet werden. Seither ähnelt der Kursverlauf einer Achterbahnfahrt.

Doch aktuell glänzt Gold wieder mit einer Performance, die sich wohltuend von der Preisentwicklung vieler anderer Rohstoffe – vom kleinen Bruder Silber mal abgesehen – absetzt. Der Kurs von 1850 $ wurde vor kurzem im Flug genommen. Das nächste Ziel von 1900 $ kann anvisiert werden. Der Anstieg fand statt, ohne dass Gold-ETF nennenswerte Zuflüsse verzeichnet hätten. Diese stehen eventuell noch aus. Spekulative Finanzinvestoren haben hingegen ihre Netto-Long-Positionen ausgeweitet.

Somit ist die enge Beziehung des Edelmetalls mit der Realrendite wieder hergestellt. Denn der Realzins einer zehnjährigen US-Staatsanleihe ist bei etwa –4,6% auf ein Niveau gefallen, das die Welt seit siebzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Bei derart negativen Zinsen lohnt sich das Halten von Gold umso mehr.

Nicht wenige Finanzprofis sind überzeugt, dass die Realzinsen auch langfristig negativ bleiben. Die Schuldenberge sind hoch und Inflation durchaus erwünscht. Das könnte ein goldenes Jahrzehnt werden. Als Beimischung im Portfolio ist das Edelmetall zu empfehlen. Anleger müssen sich allerdings des Risikos bewusst sein, wenn der Erfolg auf Gedeih und Verderb der reinen Kursentwicklung ausgeliefert ist.