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Google beeindruckt mit starken Zahlen

Der Internetriese steckt die Milliardenbusse der EU weg und erntet für seinen Quartalsabschluss Applaus. Die Aktien steigen auf einen neuen Rekord.

Christoph Gisiger, Los Angeles

Im amerikanischen Technologiesektor geht es diese Woche mit den Geschäftsabschlüssen Schlag auf Schlag. Ein erstes Highlight markiert der Google-Mutterkonzern Alphabet, der die Erwartungen mit seinem Ergebnis zum zweiten Quartal deutlich übertroffen hat. Nach den enttäuschenden Nachrichten des Brachennachbarn Netflix sorgt das an Wallstreet für Aufatmen.

«Wir haben ein weiteres Quartal mit einer sehr starken Performance abgeschlossen», kommentiert Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat den Leistungsausweis. Das sehen auch Investoren so: Die Aktien des Internetkonzerns aus dem Silicon Valley sind am Montagabend nach der Resultatpublikation im nachbörslichen Handel fast 4% auf 1254.75 $ avanciert. Eröffnen sie am Dienstag im regulären Handel auf diesem Niveau, entspricht das einem neuen Allzeithoch.

Grund zu Optimismus geben drei Faktoren. Erstens wächst das Unternehmen weiterhin robust. Die Gesamteinnahmen sind im vergangenen Quartal gegenüber der Vorjahresperiode 26% auf 32,7 Mrd. $ gestiegen. Unter Abzug der Kosten für die Akquisition von Internetverkehr (TAC) resultieren 26,2 Mrd. $ Umsatz, wogegen Analysten mit 25,6 Mrd. $ gerechnet hatten.

Erfreulich ist daran zudem, dass die TAC-Ausgaben, die das Unternehmen Smartphone-Partnern wie Apple für die Zuführung von Internetnutzern auf seine Suchmaschine zahlt, im Verhältnis zu den Einnahmen leicht gesunken sind. So hat der Prozentsatz seit dem vorangegangenen Quartal von 24 auf 23 abgenommen.

Wettrüsten gegen Amazon und Microsoft

Zuversichtlich stimmt zweitens das Wachstum im Cloud-Bereich, wo sich Alphabet ein Wettrüsten mit Amazon und Microsoft liefert. Detaillierte Zahlen gibt der Konzern zum Geschäft mit Speicher- und Softwarediensten übers Internet nicht bekannt. Die sonstigen Einnahmen ausserhalb der Internetsuche sind im Berichtszeitraum jedoch 37% auf 4,4 Mrd. $ gewachsen, wovon ein wesentlicher Anteil auf das Cloud-Segment entfallen dürfte.

Drittens sind die Investitionen nicht weiter in die Höhe geschossen. Sie bleiben im Umfang von rund 5,5 Mrd. $ zwar beträchtlich, sind aber im Vergleich zum ersten Quartal zurückgegangen. Alphabet hatte Anleger damals mit einem Anstieg des Investitionsaufwands auf mehr als 7 Mrd. $ vergrämt. Enthalten waren darin 2,4 Mrd. $ für den Kauf eines riesigen Bürogebäudes im New Yorker Stadtteil Manhattan.

Relativ gelassen werden an der Börse bislang die Querelen mit der europäischen Wettbewerbskommission genommen. Sie hat gegen den Konzern vergangene Woche eine Strafe von fast 5 Mrd. $ verhängt, weil er seine Marktmacht im Zusammenhang mit dem mobilen Betriebssystem Android missbraucht habe. Das, nachdem sie ihn bereits im zweiten Quartal 2017 mit über 2,5 Mrd. $ gebüsst hatte. Mit den schärferen EU-Datenschutzauflagen ist Alphabet im regulatorischen Bereich derzeit zusätzlich gefordert.

Schlusslicht der FANG-Gruppe

Dennoch scheint das den operativen Geschäftsgang nicht zu bremsen. Unter dem Strich hat Alphabet in den letzten drei Monaten einen Gewinn von knapp 3,2 Mrd. $ erzielt und kündigt an, die neue Busse der EU anzufechten. Klammert man die beiden Strafen aus, hat sich das Ergebnis über 30% auf 8,3 Mrd. $ oder 11.75 $ pro Aktie verbessert. Das sind klar mehr als die 9.66 $, die Analysten im Schnitt prognostiziert haben.

Für Investoren sind das ermutigende Nachrichten. Die Aktien von Alphabet haben seit Anfang Jahr fast 15% an Wert gewonnen. Zusammen mit Facebook (+20%) rangieren sie damit jedoch am Schluss der sogenannten FANG-Gruppe, zu der auch die Börsenstars Amazon (+54%) und Netflix (+89%) zählen. Auf Basis der Schätzungen für die nächsten zwölf Monate sind Alphabet zum Kurs-Gewinn-Verhältnis 28 denn auch ähnlich bewertet wie Facebook (27), wogegen Netflix (105) und Amazon (132) auf einem weitaus anspruchsvolleren Niveau handeln.