Unternehmen / Ausland

Gotham City attackiert Investor Aurelius

Der Beteiligungsgesellschaft Aurelius werden vom Hedge Fund Ungereimtheiten bei der Bilanzierung vorgeworfen. Die Titel brechen ein.

(Reuters) Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius (AR4 36.12 -0.28%) ist ins Visier des Hedgefonds Gotham City geraten. Die Aktie sackte am Dienstag nach einem kritischen Kommentar von Gotham City um bis zu 32% auf 44,10 Euro ab. Es war der grösste Kurssturz in der Geschichte des Finanzinvestors, der überwiegend aus Sanierungsfällen ein Portfolio mit fast 3 Mrd. € Umsatz aufgebaut hat. Gotham City schrieb in einem im Internet veröffentlichten Bericht, die Aurelius-Aktie sei seiner Ansicht nach nicht mehr wert als 8,56 Euro. Der Hedgefonds, der zugleich mit Leerverkäufen auf fallende Kurse bei Aurelius wettete, wirft dem Investor unter anderem Ungereimtheiten bei der Bilanzierung vor.

Aurelius wies die Vorwürfe zurück. Die Studie von Gotham City bestehe aus bekannten Fakten, die aber bewusst in irreführender Weise und mit falschen Behauptungen und Annahmen präsentiert worden seien, um den Aktionären des Unternehmens zu schaden – und zum Nutzen des Leerverkäufers. Aurelius prüfe Schadenersatz-Forderungen und eine Strafanzeige wegen Marktmanipulation gegen Gotham City. Die Wertpapieraufsicht erklärte, sie prüfe den Handel mit den Aktien routinemässig.

Um den Kurs zu stützen, legt das Unternehmen sofort ein weiteres, 50 Mio. € schweres Aktienrückkaufprogramm auf. Die Hauptversammlung solle am 21. Juni zudem einen Rückkauf von weiteren 10% des Grundkapitals beschliessen. Die im kaum regulierten Freiverkehr der Münchner Börse gehandelte Aktie stabilisierte sich etwas und lag am Nachmittag noch 19% im Minus. Damit hat Aurelius aber immer noch rund 400 Mio. € an Wert verloren.

Aurelius-Chef Dirk Markus hat sein Geschäftsmodell, den Kauf angeschlagener Unternehmen zu günstigen Preisen, von Deutschland auf ganz Europa ausgeweitet. Dabei profitiert der Finanzinvestor von Buchgewinnen, weil der Kaufpreis unter dem Buchwert liegt. Das sei «ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells», hiess es in der Stellungnahme von Aurelius. Der grösste Zukauf war jüngst die Europa-Sparte des US-Bürobedarf-Händlers Office Depot. Zu den bekanntesten Beteiligungen gehören die Fernhochschule AKAD, die Nachhilfe-Organisation Studienkreis und der Segelyachtbauer HanseGroup. Vom börsennotierten Spirituosen- und Saft-Hersteller Berentzen hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr getrennt.

Auch Ströer und Wirecard waren Ziel von Leerverkäufern

Laut Bundesanzeiger hielt Gotham City am vergangenen Freitag Leerverkaufs-Positionen im Volumen von 0,61% des Grundkapitals von Aurelius. Bei Leerverkäufen leihen Investoren sich Aktien, um diese zu verkaufen. Dabei hoffen sie, die Papiere bis zum Ende der Ausleihfrist billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können.

Deutsche Unternehmen sind schon öfter ins Visier von Short-Sellern geraten. Bei Wirecard (WDI 111.65 -6.29%) war der Kurs im Februar 2016 massiv eingebrochen, nachdem die bis dahin unbekannte Zatarra Research & Investigations Betrugs- und Geldwäschevorwürfe erhoben hatte. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen dubioser Handelsaktivitäten in dem Fall. Beim Werbevermarkter Ströer hatte der US-Investor Muddy Waters vor knapp einem Jahr mit einer negativen Analyse einen Kurssturz ausgelöst.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.