Unternehmen / Finanz

Gottsteins Tage als CS-Chef scheinen gezählt

Wie FuW erfahren hat, könnte Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein bald von Bankpräsident António Horta-Osório abberufen werden.

Es wird eng für den Chef von Credit Suisse. Wie «Finanz und Wirtschaft» aus mehreren der Bank nahestehenden Quellen erfahren hat, könnte CS-CEO Thomas Gottstein bald vom neuen Verwaltungsratspräsidenten (VRP) António Horta-Osório abberufen werden. «Wir kommentieren keine Gerüchte und Spekulationen. Der VRP hat an der GV ein klares Bekenntnis zu Thomas Gottstein abgegeben. Daran hat sich nichts geändert», teilt CS auf Anfrage mit. 

«Gottstein ist ganz klar angezählt», sagt dagegen eine Quelle mit Einsicht in die Bank. «Er steht brutal unter Druck», sagt der zweite Insider, der nah an CS dran ist. «Er wird das beruflich nicht mehr lange überleben», sagt eine dritte Person mit enger Verbindung. Zu viel ist unter seiner Ägide geschehen. 5,5 Mrd. $ hat die Bank bei der Pleite des Hedge-Fund-Kunden Archegos verpulvert und musste u.a. eine Kapitalerhöhung durchführen. Ein interner Bericht legt eklatantes Versagen im Risikomanagement offen. Hinter vorgehaltener Hand sieht Gottstein den Bericht als Persilschein für sich selbst, der ihn von Verantwortung reinwaschen soll. «Doch bei einem 5,5-Mrd.-Verlust musste noch jeder CEO gehen», sagt einer der Beobachter.

Zwei Zeitpunkte denkbar

Es sei höchstens noch eine Frage von Monaten, bis Horta-Osório ihn absetze. Ein Zeitpunkt könnte der 4. November sein, dann präsentiert CS das Ergebnis des dritten Quartals, das ebenfalls vom Archegos-Fall geschädigt sein dürfte. Zugleich könnte sie hier ihren Bericht zum Fall Greensill veröffentlichen. Mit der kollabierten Gesellschaft hat CS Fonds im Volumen von 10 Mrd. $ aufgelegt und muss sie nun langwierig abwickeln und die Gelder an die Investoren zurückzahlen, von denen einige Klagen gegen die Bank anstrengen. Im Sommer 2020 hat CS unter CEO Gottstein die fraglichen Fonds nach einer Untersuchung noch weiterlaufen lassen. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

Leser-Kommentare

Leo Rechsteiner 14.09.2021 - 07:39

“Wie die F&W erfahren hat…” schlechter geht es wohl nicht. Auf solche Artikel kann man verzichten. Wir als Schweizer sind nahe am Geschehen und sollten in der Lage sein, möglichst objektiv zu berichten.

Elisabeth Zingg 14.09.2021 - 17:07

Schön und gut. Jetzt erinnert die CS Situation ein wenig an ex CEO Thyam, der bei der Anstellung in höchsten Tönen gelobt wurde. Das Resultat seiner Arbeit war vernichtend. Jetzt wiederholt man vermutlich wieder die dieselben Fehler und am Schluss mündig alles in einer grossen Enttäuschung. wir hoffen sehr, dass wir uns in diesem Punkt täuschen.