Die junge Dame in altbackener Uniform steht am Fluss Yalu. Der bildet die Grenze zwischen Nordkorea und China. Die Soldatin, kess selbst in Khaki und Nachttopfmütze, bewacht das Privatreich der Kim-Dynastie. Sie geniesst vom trüben Sinuiju aus, nahe der Mündung des Yalu ins Gelbe Meer, freien Blick auf die glitzernde Schwesterstadt Dandong. Der Fluss ist offenbar nicht breit und tief genug, um jegliche Subversion aufzuhalten. Umso weniger, als die  «Chinesisch-Koreanische Freundschaftsbrücke» die beiden Ufer verbindet, womit für ein klein wenig Warenaustausch gesorgt ist. Da ist vor allem das Mobiltelefon, unerlässliches Utensil der Moderne. Fraglich zwar, wie weit das Gerät dieser Schildwache vernetzt ist, gewiss ist hingegen: Der Dienst in der verlotterten Postenbude – in der wohl, für den Ernstfall von Grenzverletzung, eine Flinte bereitsteht – ist geisttötend. Dagegen helfen nur SMS, ein Spielchen oder ein Schwatz. Neben dem Handy wirkt auch der zart kaschierte Chic der Schuhe eher ausgehtauglich denn ordonnanzmässig. Schliesslich lässt die Coiffure einen durchaus gesunden Hauch von Eitelkeit erahnen. Tröstlich, dass die Hirnwäsche des Kim-Systems hier buchstäblich an ihre Grenzen stösst.