Irland ist keine Insel der Seligen, auf der alle mit allen in Frieden leben – doch man soll es sich zumindest vorstellen: hier mit dem Blick durch das Guckloch dieser Friedensstatue. Sie steht im County Cavan, in der Republik Irland; auf der anderen Seite des schönen blauen Lough Macnean Upper zeigt sich die Grafschaft Fermanagh im Vereinigten Königreich. Die, neuerdings, EU-Aussengrenze teilt die Insel schon seit hundert Jahren, auf einer Länge von 499 km. Seinerzeit wurde, nach dem irischen Unabhängigkeitskrieg, den sechs nordöstlichen Counties die Möglichkeit eingeräumt, sich separat von Belfast aus zu verwalten, während die anderen 26 von Dublin aus regiert wurden; Nordirland erhielt zudem die Option, sich vom damals entstehenden Freistaat Irland zu lösen, was 1922 prompt geschah. Mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 zwischen London, Dublin und Belfast schien endlich ein Modus Vivendi gefunden; die Grenze – ab 1973 eine Binnengrenze innerhalb der EG bzw. dann der EU – verlor ihre letzte Bedeutung, war kaum noch spürbar. Kein Wunder, dass in Nordirland in der Brexit-Abstimmung vor fünf Jahren das Nein mit 56% überwog. Die befürchtete Rückkehr zu einer Hard Border ist ausgeblieben – bis dato.