Mitteleuropa mit Anhauch von Balkan – wer möchte sich hier, in Novi Sad, nicht in den Schatten setzen und ein Eis lutschen? Serbiens zweitgrösste Metropole ist heuer eine Kulturhauptstadt Europas, zusammen mit Kaunas (Litauen) und Esch (Luxemburg). Wobei es so eine Sache ist mit Europa und Serbien: Die dort gefühlte Nähe zu Russland stellt die oberflächliche Gemütlichkeit in Frage. Moskaus vormoderne Idee des «Russkij mir» (russische Welt), ein Hirngespinst in der ideologischen Grundierung des Ukraine-Raubzugs, hat beunruhigende Parallelen zu der in Serbiens politischer Elite da und dort gepflegten Vorstellung der «Srpski svet» (serbische Welt). Zwar sind grossserbische Sehnsüchte naturgemäss kaum imperial, doch immerhin regional-hegemonial, im vormals jugoslawischen Raum alarmierend. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Novi Sad nicht Serbien bzw. Jugoslawien, sondern lag als Újvidék in Ungarn bzw. Kakanien; die Bevölkerung war ein europäisches Gemisch aus Serben, Magyaren, Donauschwaben usf. Heute herrschen die Serben vor. Vielleicht im Sinn der Gestalt auf dem Sockel? Der serbische Patriot Jasa Tomic war 1918 eine treibende Kraft in der Bildung des neuen südslawischen Staates.