Nächsten Sonntag wird das ukrainische Volk seinen Präsidenten wählen. Dieser weltliche Anlass entweiht die christliche Einkehr nicht, denn das orthodoxe Osterfest ist erst auf den 28. April angesetzt. Das Gerangel um die schnöde Macht hienieden wird dann vorbei sein, der Platz vor dem Lemberger Opernhaus christlicher Symbolik (ggf. vorchristlicher Herkunft, wie das Ei hier) zur Verfügung stehen. An der Namensgeschichte dieser Stadt – näher bei Warschau als bei Kiew, nicht viel näher bei Kiew als bei Wien – liest sich ab, wie das Land zwischen Ost und West hin- und hergerissen ist. Jahrhunderte war sie das polnische Lwów, dann das österreichische Lemberg, wieder Lwów, dann sowjetrussisch Lwow, seit 1991 das ukrainische Lwiw. In der Stichwahl geht es auch darum, ob sich die Ukraine – das «Grenzland» – eher an Brüssel oder an Moskau orientieren soll. Der bisherige Präsident Petro Poroschenko, pro EU, dürfte abgewählt werden. Dem wahrscheinlich nächsten Staatschef, Wolodymyr Selenskyj, wird grössere Offenheit für russische Interessen nachgesagt. Der Schauspieler Selenskyj ist zwar ein Politneuling, doch spielte er in einer TV-Serie immerhin einen fiktiven ukrainischen Präsidenten. Offenbar überzeugend. (Bild: Pavel Palamarchuk/EPA/Keystone)