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Griechenland steht wieder auf eigenen Beinen

Als letztes Krisenland verlässt Griechenland den Eurorettungsschirm. Der Weg in die Normalität ist aber noch weit.

Peter Rohner

Für Griechenland ist der heutige Montag, 20. August, ein spezieller Tag. Denn heute geht das in der Krise geschnürte dritte Hilfsprogramm des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) offiziell zu Ende. Zum ersten Mal seit 2010 steht Athen damit finanziell auf eigenen Beinen.

Ganz auf sich allein gestellt ist Athen genau genommen noch nicht. Die fünfte und letzte Tranche wurde erst Anfang Monat ausgezahlt. Dadurch ist das Reservepolster auf 24 Mrd. € gestiegen. Das Geld sollte gemäss ESM-Schätzung für rund zwei Jahre reichen, sollte Athen keine anderen Finanzierungsquellen finden.

Der Eurorettungsschirm ESM und sein Vorgänger EFSF haben insgesamt über 200 Mrd. € an Griechenland ausgezahlt. Der Rettungsfonds ist damit der bei weitem grösste Gläubiger. Der ESM finanziert sich hauptsächlich über eigene Anleihen. Damit er dies zu bestmöglichen Bedingungen kann, wurde er von den Mitgliedstaaten mit 700 Mrd. Stammkapital ausgestattet.

Budgetvorgaben eingehalten

ESM-Direktor Klaus Regling bezeichnete das Ende des Hilfsprogramms als Meilenstein für das Land. Es müsse nun den Partnern und den Finanzmärkten beweisen, dass es gewillt ist, den Reformprozess weiterzuführen und eine nachhaltige Fiskal- und Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Die griechische Regierung unter der Führung des Sozialisten Alexis Tsipras hat sich verpflichtet, über das Ende des Programms bis 2022 jährlich im Haushalt vor Zinszahlungen einen Überschuss (Primärsaldo) in Höhe von 3,5% des Bruttoinlandprodukts zu erzielen. In den letzten beiden Jahren hat Griechenland die Budgetziele übererfüllt (vgl. Grafik).

Gelungen ist das auch dank den Reformanstrengungen im Steuersystem. Der Kampf gegen die Steuerhinterziehung trägt Früchte, und die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer sind deutlich gestiegen. Auch in Bezug auf die Reformen in anderen Bereichen stellen ESM und OECD der Regierung in Athen ein gutes Zeugnis aus.

Wirtschaft wächst wieder

Doch ohne Erholung der Wirtschaft wäre das Erreichen der Budgetziele ein Ding der Unmöglichkeit geblieben.

Seit letztem Jahr wächst das griechische Bruttoinlandprodukt wieder, nachdem es in der Krise um ein Viertel eingebrochen war. Wachstumstreiber ist der Exportsektor. Darunter fällt auch der Tourismus.

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Die OECD rechnet für dieses und nächstes Jahr mit einer Wachstumsbeschleunigung auf 2 resp. 2,3%.

Auch bei den internationalen privaten Investoren hat Griechenland etwas Vertrauen gewonnen.

Im vergangenen Sommer hat Hellas zum ersten Mal seit über drei Jahren Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Die Langfristzinsen sind in den vergangenen zwei Jahren von über 10 auf 4% gesunken.

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Es fehlt an Investitionen und Humankapital

Gesund ist der griechische Patient aber noch lange nicht. Noch immer liegt das Pro-Kopf-Einkommen 25% tiefer als vor der Krise. Jeder Fünfte ist nach wie vor arbeitslos, und der Schuldenberg beträgt etwa 180% des BIP. Diese Quote wird weltweit nur von den Japanern übertroffen.

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Ohne die diversen Massnahmen zur Schuldenerleichterung wäre der Schuldenstand noch höher. Der grösste Schuldenschnitt (Hair Cut) wurde im März 2012 vollzogen. Alle privaten Gläubiger, hauptsächlich Banken, mussten auf ca. 200 Mrd. € an Anleihen einen Hair Cut von 53,5% hinnehmen. Dadurch hat sich Athens Schuldenberg um etwa 107 Mrd. € reduziert.

Dank den diversen Fristerstreckungen und Zinssenkungen seitens der öffentlichen Gläubiger sieht der ESM die griechische Schuldensituation auf einem nachhaltigen Pfad. Nach Bekanntgabe der letzten Einigung auf eine Schuldenerleichterung im Juni hat die Ratingagentur S&P die Bonität auf B+ erhöht. Damit ist Athen aber noch vier Schritte von der Kategorie Anlagequalität (Investment Grade) entfernt, die würde mit einem Rating von BBB– erreicht werden.

Langfristige Schäden

Trotz all dieser positiven Entwicklungen bleibt Griechenlands Zukunft ungewiss.

Durch die Krise haben Wirtschaft und Gesellschaft langfristig Schaden genommen. Da die Depression so lange gedauert hat, haben viele gut ausgebildete junge Griechen das Land verlassen.

Unter diesem «Brain Drain» hat besonders die Produktivität gelitten. Ausserdem konnte der Kapitalstock des Landes aufgrund der zusammenbrechenden Investitionstätigkeit des letzten Jahrzehnts nicht erneuert werden. Diesen Prozess umzukehren, sei die tatsächliche Herausforderung Griechenlands, findet Pictet-Chefstratege Anastassios Frangulidis.

Kapital wird teurer

Der deutsch-griechische Unternehmer Dimitris Kamargiannis zeigt sich im Interview mit der FAZ irritiert über die allgemeine Begeisterung über das Ende des Hilfsprogramms. Die Finanzierungskosten würden deutlich steigen, warnt er. Für die Hilfskredite zahlte Hellas im Durchschnitt einen Zins von 1,5%. Dagegen liegen die Langfristzinsen für griechische Papiere am Kapitalmarkt aktuell über 4%.

Auch für die Banken könnten kurzfristige Gelder jetzt teurer werden. Denn mit dem Hilfsprogramm endet die Ausnahmeregelung der EZB, wonach griechische Banken für kurzfristige Zentralbankgelder auch griechische Staatsanleihen als Pfand hinterlegen dürfen, obwohl diese wegen des schlechten Ratings den Anforderungen nicht genügen. Die griechischen Finanzinstitute müssen nun teurere Anleihen mit besserer Qualität erwerben, um sie bei der EZB zu hinterlegen.

Deutschland verdient an Griechenlandkrise

Das Ende des Hilfsprogramms ist ein Zeitpunkt, um über die Kosten des Griechenlanddebakels Bilanz zu ziehen. Klar ist, dass die Griechen selbst am stärksten darunter gelitten haben. Viel Geld verloren haben auch Banken und private Investoren, die sich mit griechischen Bonds verspekuliert haben und vom Hair Cut betroffen waren.

Anders als befürchtet hat der deutsche Staat bis jetzt keinen Cent verloren. Seit 2010 hat Deutschland sogar 2,9 Mrd. € an der Griechenlandkrise verdient. Das geht aus einer Anfrage der Grünen hervor. Das meiste stammt laut der Bundesregierung aus den übertragenen Zinsgewinnen der EZB, die im Rahmen des ersten Wertschriftenkaufprogramms (SMP) angefallen sind. Doch die Kredite werden noch lange laufen, und längst ist nicht klar, ob sie alle voll bedient werden.