Der Betrieb am Hafen von Nuuk ist übersichtlich. Im geschützten Becken drängen sich ein paar Fischerboote, auf der Seeseite stehen einige Container – ab und zu geht dort ein Frachter vor Anker. Mit der Beschaulichkeit kann es zu Ende gehen: Sollte die Nordwestpassage wegen des wärmeren Klimas schiffbar werden, würde mancher Handelskahn von Asien nach Europa auf diese Route umgeleitet, denn via Grönland statt via Panama spart Treibstoff. Die riesige arktische Insel mit ihren nur 56 000 Einwohnern weckt auch vermehrt Interesse wegen der Bodenschätze: Unter Eis, Schnee und Wasser gibt es Gas, Öl, Uran, seltene Erden. Geografisch gehört Grönland zu Nordamerika, politisch zu Europa, als autonomes Gebiet unter dänischer Krone. Kopenhagen ist für Aussen-, Verteidigungs- und Geldpolitik zuständig, Brüssel für – nichts. Grönland verliess 1985 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, nach einer Volksabstimmung drei Jahre zuvor; 53% votierten für den Austritt. Danach wurde mit der EWG mühselig ein Assoziierungsabkommen ausgehandelt und seither fortlaufend adjustiert. Algerien übrigens war bis 1962 Teil Frankreichs und damit der EWG. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, nicht mal den Brexit. (Bild: Walter Bibikow/EPA/Keystone)