Unternehmen / Finanz

Grossaktionär stützt die Absetzung von CS-Chef Horta-Osório

David Herro ist Anlagechef bei Harris Associates. Er bedauert den Abgang des Portugiesen, sichert seinem Nachfolger aber Unterstützung zu.

Holger Alich

Bis zum Schluss war David Herro ein vehementer Unterstützer des nun geschassten Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsidenten António Horta-Osório. Herro ist der Anlagechef des US-Vermögensverwalters Harris Associates – und dieser mit rund 5 Prozent einer der drei grossen Aktionäre der Credit Suisse (CSGN 6.75 +0.21%).

Nun aber hat Harris seine Position geändert und billigt die Absetzung des Credit-Suisse-Präsidenten. Auch sagt er dem neuen Präsidenten Axel Lehmann seine Unterstützung zu.

So schreibt Herro in einer Stellungnahme für diese Zeitung: «Obwohl wir enttäuscht sind, dass António Horta-Osório die Credit Suisse angesichts seiner Talente und des von ihm eingeleiteten Restrukturierungsplans verlässt, bleiben wir zuversichtlich, dass die Credit Suisse mit den verschiedenen Verstärkungen des Managements, einschliesslich der Ernennung von Axel Lehmann und der zahlreichen Ernennungen, die in den letzten acht Monaten in der Geschäftsleitung vorgenommen wurden, sowie mit der rechtzeitigen Umsetzung dieses neuen strategischen Plans nicht nur gestärkt, sondern auch wiederbelebt wird.»

180-Grad-Wende

Vor knapp drei Wochen tönte das noch komplett anders. Als die Nachrichtenagentur Reuters Ende Jahr enthüllt hatte, dass Horta-Osório bereits im Sommer gegen Quarantäneregeln verstossen hatte und deswegen der Verwaltungsrat eine Untersuchung einleitete, tat Herro die Verstösse noch als Petitesse ab: «Wir betrachten diese kleineren Verstösse als reine Ablenkungen, und der Fokus muss auf dem Hauptproblem liegen, um das es geht: dem Turnaround der CS.»

Warum Herro nun die Dinge neu bewertet, dazu machte er keine Angaben. Fakt ist indes, dass er an der Absetzung von Horta-Osório nichts mehr ändern kann. Würde der Vertreter von Harris Associates nun öffentlich den Verwaltungsrat angehen, würde er damit nur der Bank, dem Aktienkurs und so letztlich sich selbst schaden.

Herro kann aber auch anders: Als sich Anfang 2020 abzeichnete, dass der Verwaltungsrat dem damaligen Konzernchef Tidjane Thiam wegen der Beschattungsaffäre den Stuhl vor die Tür stellen wird, hatte Herro für den Fall von Thiams Absetzung noch mit der Abwahl des damaligen Bankpräsidenten Urs Rohner gedroht. Thiam flog dennoch, und bei der Generalversammlung Ende April 2020 bekam Rohner mit 77,5 Prozent zwar ein schlechtes Ergebnis, schaffte die Wiederwahl dennoch mühelos.

Der neue Bankpräsident Axel Lehmann wird aber sicher froh sein, dass Herro sich nun hinter ihn stellt und nach vorne blickt. Lehmann hatte gegenüber dieser Zeitung angekündigt, an der Strategie des geschassten Präsidenten festzuhalten – und auf die kommt es Herro am Ende an.


Dieser Artikel stammt aus dem Tages-Anzeiger, weitere Artikel finden Sie unter tagesanzeiger.ch