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Grossbanken bestehen US-Stresstest

Die Schweizer Grossbanken geben sich beim ersten Teil des Stresstests der amerikanischen Zentralbank keine Blösse. Der härtere Teil steht aber noch bevor.

Randal Quarles ist zufrieden. «Die Resultate des Stresstests zeigen, dass unser Finanzsystem weiterhin robust ist», urteilt der Vizechef des Federal Reserve gemäss einer Medienmitteilung der amerikanischen Zentralbank.

«Die US-Grossbanken verfügen über eine wesentlich solidere Bilanz als vor der Finanzkrise und sind gut genug aufgestellt, um die Wirtschaft auch nach einem heftigen Schock zu unterstützen.»

Alle Institute erfüllen die Vorschriften

Die Kapitalvorschriften der Aufseher erfüllen aber nicht nur die amerikanischen Finanzhäuser. Auch die Schweizer Grossbanken Credit Suisse (CSGN 13.1 2.1%) und UBS (UBSG 11.625 2.33%) sowie die Deutsche Bank (DBK 7.655 3.19%) bestehen den ersten Teil des jährlichen Belastungstests.

Das bedeutet, dass die achtzehn getesteten Institute eine globale Rezession mit einer US-Arbeitslosenrate von 10%, eine Halbierung der Aktienmärkte, einen deutlichen Rückgang des Häusermarktes, Stress am Kapitalmarkt sowie einen Gesamtverlust von 410 Mrd. $ überstehen können.

Laut der amerikanischen Zentralbank würde die harte Kernkapitalquote (CET1) der Banken in einem solchen Szenario vom aktuellen Niveau von 12,3% per Ende 2018 auf einen Wert von 9,2% zurückgehen. Die zu überspringende Hürde beträgt 4,5%. Seit 2009 ist die Kernkapitalquote der achtzehn Banken laut dem Fed um gesamthaft mehr als 680 Mrd. $  gestiegen.

Runde zwei für ausländische Institute

Während für die US-Grossbanken Citigroup (C 70.39 1.57%), Goldman Sachs (GS 219.9 0.53%), Morgan Stanley (MS 45.16 1.9%), JPMorgan und Bank of America (BAC 30.17 1.69%) der Stresstest damit vorbei ist, folgt für ausländische Institute eine zweite Runde. Sie müssen nach dem quantitativen Test auch noch einen qualitativen bestehen. Darin wird unter anderem die Qualität der internen Daten überprüft. Die US-Finanzhäuser dürfen diesen Teil erstmals überspringen.

Den zweiten Teil des Tests publiziert das Fed am 27. Juni. Er gilt als die grössere Hürde. Im vergangenen Jahr ist die Deutsche Bank als einziges Institut daran gescheitert. Laut der Nachrichtenagentur Reuters rechnen führende Manager der DB mit Auflagen für die US-Investmentbank-Tochter, selbst wenn sie die Belastungsprobe bestehen sollte.

So erwarten sie gemäss Reuters, dass das Fed es den Investmentbankern weiterhin verbietet, der deutschen Konzernmutter Geld ohne Genehmigung zu überweisen. Zudem rechnen sie mit der Forderung, das System zur Überprüfung von Geschäften und Risiken weiter zu verbessern.

Kapitalpläne im Fokus

Den Test ganz auslassen konnten siebzehn Finanzinstitute mit einer Bilanzsumme zwischen 100 und 250 Mrd. $. Die Aufsichtsbehörde hat die kleineren Finanzhäuser auf dieses Jahr hin von dieser Pflicht befreit.

Obwohl die amerikanischen Grossbanken nicht mehr durchfallen können, dürften die Aktionäre die Publikation dennoch mit Spannung erwarten. Denn das Fed wird auch die Kapitalpläne der Banken absegnen. Die Aktionäre werden also erfahren, wie viel Kapital die Institute an die Kapitalgeber ausschütten werden.

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