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Grossbritannien: Höchste Inflation seit 40 Jahren

Die Verbraucherpreise in Grossbritannien sind im April so stark gestiegen wie seit 1982 nicht mehr.

(Reuters) Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 9,0% mehr als ein Jahr zuvor, wie das Office for National Statistics am Mittwoch in London mitteilte. Aussenministerin Liz Truss äusserte sich bei Sky News alarmiert: «Wir sind in einer sehr, sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage.»

Die konservative Politikerin sprach von ernstem Gegenwind angesichts des globalen Problems sehr stark steigender Preise und nannte die Inflation in Grossbritannien extrem hoch. Die Bank of England erwartet, dass noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist und die Teuerungsrate im Laufe des Jahres die Zehn-Prozent-Marke übersteigen wird. Insbesondere teure Energie und Nahrungsmittel treiben die Inflation. Die rasant steigenden Lebenshaltungskosten treffen die Bürger auf der Insel laut einer Umfrage des Instituts Ipsos hart: Demnach drehen zwei von drei Briten die Heizung ab, um Kosten einzusparen. Mehr als ein Viertel der Befragten gab sogar an, wegen ihres knappen Budgets Mahlzeiten auszulassen.

Diese Lage lässt die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung des konservativen Premiers Boris Johnson steigen: In einer Befragung des Instituts YouGov erklärten 72% der Briten, dass die Regierung die Wirtschaft schlecht manage. Dabei wird der Ruf immer lauter, die Sozialhilfe zu erhöhen, um ärmere Bevölkerungsschichten angesichts der rasant steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten.

Finanzminister Rishi Sunak verweist allerdings darauf, dass hohe Inflation quasi ein weltweites Problem sei. Die Regierung könne die Bürger nicht komplett von Risiken abschirmen. Sie tue was sie könne und stehe auch bereit, mehr zu tun.

Kaufkraft erodiert

Die Arbeitslosigkeit ist mit 3,7% zwar auf den niedrigsten Stand seit 1974 gesunken. Doch die Kaufkraft erodiert, da die Lohnsteigerungen die höheren Lebenshaltungskosten bei weitem nicht wettmachen können. Und es gibt bereits Anzeichen, dass die Inflation in dem EU-Aussteigerland weiter anziehen wird. So kletterten die Preise ab Fabriktor im April um 14,0% im Vergleich zum Vorjahr – der grösste Anstieg seit Juli 2008.

Die Notenbank in London stemmt sich bereits mit Zinserhöhungen gegen die hochschiessende Inflation im Land. In ihrer bereits vierten Anhebung binnen sechs Monaten setzte sie den Leitzins Anfang des Monats um einen viertel Punkt auf 1,0% nach oben. Ein derart hohes Niveau der Leitzinsen hat es seit 2009 im Vereinigten Königreich nicht mehr gegeben.

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