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Grossbritannien: Lohnkluft der Geschlechter bleibt gross

Unternehmen in Grossbritannien müssen Lohnfakten offenlegen. Bei Banken wie UBS und EFG sind Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gross.

Die britische Regierung will die Dinge beim Namen nennen und aufzeigen, welche Unternehmen in Grossbritannien Frauen und Männer unterschiedlich bezahlen. Das Jargonwort heisst Gender Pay Gap, zu Deutsch die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen.

Zum zweiten Mal nach 2018 mussten alle Unternehmen mit einer Belegschaft von 250 und mehr Personen den Stundenlohn ihrer Mitarbeiter in einer staatlichen und öffentlich zugänglichen Datenbank erfassen.

In diese Pflicht eingebunden sind auch ausländische Unternehmen, die auf der Insel mit einer Tochtergesellschaft präsent sind – zum Beispiel Banken wie UBS (UBSG 13.555 1.19%) und Credit Suisse (CSGN 13.81 2.22%) oder Industrieunternehmen wie Panalpina (PWTN 209.6 0.58%), Sulzer (SUN 111.7 0%), Sika (SIKA 152.8 -0.42%) und Hilti.

Die Kluft hat sich kaum verringert

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Situation kaum verändert. Lag die Lohnkluft 2018 bei 9,7%, ist sie heute bei 9,6%. Bei weniger als der Hälfte der Unternehmen hat sich die Lücke verkleinert. 78% der Gesellschaften zahlen Männern höhere Löhne als Frauen, bei 14% erhalten Frauen mehr Salär.

«Finanz und Wirtschaft» hat die Datenbank nach den Zahlen der Schweizer Gesellschaften durchsucht. Herausgekommen sind folgende Erkenntnisse:

  • Spitzenreiter bezüglich Lohnkluft ist die Finanzindustrie. Vor allem UBS fällt mit einer Verschlechterung von 25% (2018) auf 42,3% auf. Ebenfalls sehr männerfreundlich sind Swiss Re (SREN 98.56 0.53%) Services und EFG (EFGN 7.57 -0.66%) Private Bank mit Werten von 40 und 33%. Die Credit Suisse hat sich um 2,1 Prozentpunkte auf 26,8% verbessert.
  • Wie im Vorjahr zahlen drei der Schweizer Unternehmen Frauen höhere Löhne als Männer. Dazu gehören die Tiernahrungsabteilung Purina sowie die Wassersparte von Nestlé (NESN 97.03 -0.16%) sowie der britische Ableger des Luxusgüterherstellers Richemont (CFR 76.36 -0.16%).
  • Nur gerade in fünf von 33 untersuchten Unternehmen in Schweizer Besitz sind Frauen im obersten Lohnquartil in der Überzahl – bei Roche (ROG 268.35 0.13%) Healthcare liegt dort der Frauenanteil gar bei 95%. Dennoch verdienen beim Pharmariesen die Männer unter dem Strich besser.
  • Zu den männerdominierten Unternehmen gehören Schindler (SCHP 222.7 -0.13%), Credit Suisse, ABB (ABBN 21.04 -0.38%) und Sulzer Pumps. Bei diesen Gesellschaften liegt der Frauenanteil im obersten Lohnquartil unter 15%.

Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen

Landesweit sind bei einzelnen Unternehmen noch immer teilweise sehr hohe Unterschiede in der Entlohnung von Mann und Frau feststellbar. An der Spitze liegen der Immobilienmakler Countrywide Services mit 60,6% (Vorjahr 63,4%), der Tierpraxenanbieter Independent Vetcare mit 48,3% (50,5%) sowie die Airline EasyJet (EZJ 1180.5 0.9%) mit 47,9% (45,5%).

Allerdings zeigt gerade das Beispiel EasyJet, dass die Zahlen mit Vorsicht zu geniessen sind. Gerade in der Airline-Industrie gehören die Piloten zu den am besten verdienenden Mitarbeitern. EasyJet-CEO Johan Lundgren hatte vergangenes Jahr bekräftigt, die Frauenquote in der Pilotenkabine massiv erhöhen zu wollen. Dieser Prozess lässt sich jedoch nicht auf Jahresbasis bewerkstelligen.

Nicht zu verwechseln mit Lohngerechtigkeit

Zudem ist der publizierte Gender Pay Gap nicht zu verwechseln mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Die Auswertung in Grossbritannien zeigt lediglich die Verteilung der Lohnsumme nach Geschlecht auf, unabhängig von der jeweiligen Arbeit und Qualifikation. Deshalb weisen gerade Sektoren wie die Finanzindustrie, in der traditionell viele Männer in den höheren Chargen arbeiten, eine besonders ausgeprägte Differenz aus.

Die britische Regierung hatte dennoch darauf gesetzt, dass mit diesem «Naming and Shaming», wie sie es nannte, Unternehmen dazu motiviert werden, die Lohnkluft innerhalb von Abteilungen zu reduzieren. Die Skepsis unter Experten ist jedoch gross. Bereits wird gefordert, dass die Regierung Ziele setzen müsste, deren Nichterreichen Strafen nach sich ziehen würde.

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