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Groupon – ein Schnäppchen macht noch keinen Sommer

Das Internet-Portal für Gutscheine hat einen neuen Chef und teils überraschend gute Zahlen. Ein Zeichen für den langfristigen Erfolg ist das noch lange nicht.

Thorsten Riedl

Was ist von diesem Papier zu halten: ein Plus von beinahe 120% seit Anfang Jahr, allein in den vergangenen fünf Tagen ging es um 20% nach oben. Seit dem Börsengang vor zwei Jahren allerdings fielen die Papiere 60%. Ist die Wende nun geschafft? Sollen Investoren jetzt einsteigen? Die Rede ist von Groupon (GRPN 16.47 0.18%), dem Schnäppchenportal im Internet. Teils überraschend gute Zahlen sowie ein neues Management haben Anleger wieder Lust gemacht auf das Unternehmen. Den Turnaround auszurufen, dafür wäre es aber verfrüht.

Bilanzpannen und verfehlte Gewinnerwartungen sorgten für den Kursrutsch von Groupon. Am Tiefpunkt waren die Papiere nur noch 90% des IPO-Preises wert. Nach dem Abgang des schillernden Gründers Andrew Mason im Februar dieses Jahres wetteten viele Anleger auf den Umschwung zum Besseren. Sie fühlen sich durch die jetzt vorgelegten Ergebnisse bestätigt.

Erster in den Staaten

Die Hoffnung ruht auf den Vereinigten Staaten. Dort stieg die Lust nach Schnäppchen via Groupon im abgelaufenen Quartal um 30% im Vergleich zum vergangenen Jahr. Besonders gut kam an, dass die Hälfte der Einkäufe über das Mobiltelefon getätigt wurde. Mit besonderem Argwohn schauen die Investoren, wie den grossen Internet-Portalen der Umstieg vom PC als erste Plattform auf Smartphones, Tablets & Co. gelingt. Groupon macht Hoffnung. Zudem konnte das Unternehmen einen CEO berufen: Eric Lefkofsky. Er hat es mit einigen Unternehmensgründungen im Alter von 43 Jahren zum Milliardär gebracht. Bereits zuvor war er Verwaltungsrat bei Groupon und hat nach dem Abgang von Mason die Geschäfte übergangsweise geleitet. Die Börse zeigt sich erleichtert, dass nach dem jugendlich jungenhaften Mason – Jahrgang 1980, aber mit wenig Ernsthaftigkeit bei der Arbeit – nun endlich ein Erwachsener Groupon führt, der zudem etwas vom Business versteht.

Es bleiben dennoch Fragezeichen. Das grösste: Die Eintrittsbarrieren für den Handel mit Schnäppchen sind weiter marginal. Das sorgt dafür, dass Groupon zwar in den USA glänzt mit einem Umsatzplus von 45%, dort war das Unternehmen eines der ersten am Markt. Anders sieht es ausserhalb des Heimatmarktes aus: In Europa fiel der Umsatz mit Gutscheinen um 24%, im Rest der Welt um 26%. Neues Geschäft soll unter anderem der Verkauf von billigen Waren bringen unter dem Label Groupon Goods. Hier legt sich das junge Internet-Unternehmen mit niemand Geringerem an als mit Amazon (AMZN 3074.34 -0.96%). Mit Groupon Payments sollen Zahlungen abgewickelt werden – auch dieses Feld ist schon stark frequentiert, durch die Ebay-Tochter Paypal etwa.

Qualität hat seinen Preis

Der Vorteil, erster zu sein, fehlt Groupon in all diesen Geschäften. Mit den Problemen, mit denen das Unternehmen ausserhalb der Staaten kämpft, begrenzt dieser Fakt das Wachstumspotenzial. Einige mögen die Groupon-Aktien auf dem aktuellen Niveau als Schnäppchen gesehen haben. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber: Auch im Netz hat Qualität seinen Preis. Der Aufschwung wird nicht lange anhalten.