Am «Two Lovers Point» stürzten sich weiland eine holde Maid und ihr Geliebter in die Tiefe. Die Eltern der Jungfer hatten für sie einen spanischen Kapitän als Gemahl auserkoren, doch ihr Herz gehörte, nicht standesgemäss, einem feschen Krieger der auf Guam seit alters heimischen Chamorros – die pazifische Spielart von Romeo und Julia. Heute glotzen Touristen so die schaurige Klippe hinunter wie in Verona zum lauschigen Balkönchen hinauf. Nun droht Nord­koreas Tyrann Kim Jong-un Guam mit Raketenbeschuss, US-Präsident Donald Trump droht zurück. Das an sich unbedeutende Eiland ist dank seiner Lage als Stützpunkt unweit von China, Japan und Südostasien strategisch Gold wert. Das hatten schon die Spanier erkannt, die sich Guam im 16. Jahrhundert aneigneten und als Zwischenstation für den Seehandelsweg von den Philippinen nach Mexiko nutzten. Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 besiegelte den Abstieg des iberischen und den Aufstieg des nordamerikanischen Weltreichs; die USA annektierten damals u. a. Guam. 1941 wähnten sich die Japaner als neues Pazifik-Imperium an der Reihe und besetzten die Insel, 1944 kehrten die Amerikaner im Zorn zurück. Was wohl China von Guam hält?