Märkte / Rohstoffe

Guinea-Putsch befeuert Aluminiumpreis

Eine Elite-Einheit verkündet den Putsch in Guinea. Die Lage in dem westafrikanischen Land ist unklar. An den Rohstoffmärkten sorgen die Nachrichten für Verunsicherung.

(Reuters) Neue Spekulationen auf einen Angebotsengpass treiben den Preis für Aluminium immer höher. Das im Automobil- und Flugzeugbau benötigte Metall gewinnt knapp 2% und ist mit 2775.50 $ je Tonne so teuer wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Im Gegensatz zu anderen Industriemetallen beschleunigt sich damit der Aufwärtstrend in Aluminium. Sorgen bereitet der Putsch in Guinea, dem weltweit wichtigsten Lieferanten des Aluminiumrohstoffs Bauxit. Der Einfluss auf die Exporte lasse sich bislang aber nur schwer abschätzen, weil die Nachricht vom Umsturz noch frisch sei, sagt ein Börsianer.

Im Windschatten der steigenden Aluminiumpreise greifen Anleger bei Aluminiumhütten zu. Die Aktien von Rusal steigen in Moskau um 7% auf ein Rekordhoch von 66.75 Rubel. In Australien kletterten die Titel von Alumina um gut 9% auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 2.18 $ und diejenigen von Metro Mining verbuchten mit einem Plus von bis zu 39% einen der grössten Kurssprünge der Firmengeschichte.

Meldung über Putsch

Eine Elite-Einheit des Militärs in Guinea hat nach eigener Darstellung die Macht in dem rohstoffreichen westafrikanischen Land übernommen. Soldaten unter Führung des früheren französischen Fremdenlegionärs Mamady Doumbouya erklärten am Sonntag im staatlichen Fernsehen, die Regierung sei aufgelöst, die Verfassung ausser Kraft gesetzt und die Grenzen seien geschlossen worden. Es solle eine Übergangsregierung gebildet werden. «Wir rufen unsere Kameraden auf, sich dem Volk anzuschliessen», sagte Doumbouya. Man werde gemeinsam eine neue Verfassung ausarbeiten.

Der Aufenthaltsort von Präsident Alpha Conde war zunächst unbekannt. Ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigte, wie er von Soldaten festgenommen worden sein soll. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Echtheit der Aufnahme nicht überprüfen. In einer Erklärung der Putschisten hiess es am späten Abend, Conde sei kein Leid zugefügt worden, ihm werde nichts geschehen und er habe Zugang zu seinen Ärzten.

Unklar bleiben auch die genauen Machtverhältnisse. Das Verteidigungsministerium erklärte, loyale Truppen hätten einen Angriff auf den Präsidentenpalast abgewehrt und seien dabei, die Ordnung wiederherzustellen. Zuvor hatte ein Reuters-Reporter gesehen, wie Militärfahrzeuge in Kolonnen zum Regierungsviertel fuhren. Weitere Aufnahmen zeigten mutmasslich Schiessereien und Fahrzeuge mit Soldaten am Zentralbankgebäude.

Internationale Kritik

Mehrere internationale Organisationen verurteilten die Vorgänge. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, jede Machtübernahme durch Gewalt sei zu verurteilen. Conde müsse sofort freigelassen werden. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) sprach von einem versuchten Putsch und drohte Sanktionen an. Die Afrikanische Union kündigte eine Dringlichkeitssitzung und «angemessene Massnahmen» an. Nigeria als mächtigster Staat in der Region forderte eine Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung in Guinea.

Der 83-jährige Conde hatte im Herbst 2020 eine dritte Amtszeit angetreten. Der Wahl im Oktober war eine von Oppositionellen kritisierte Verfassungsänderung vorausgegangen, die Conde eine weitere Amtszeit erlaubte. Bodenschätze wie Bauxit, Eisenerz, Gold und Diamanten hatten Guinea unter Conde ein anhaltendes Wirtschaftswachstum beschert. Davon profitierte jedoch nur ein Teil der Bevölkerung. Die Regierung hat in den vergangenen Wochen die Steuern deutlich erhöht. Unter anderem ist der Preis von Treibstoff um ein Fünftel gestiegen, was zu Unmut in der Bevölkerung geführt hat.

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