Meinungen

Gute Laune

Die US-Notenbank wird die Zinsen bis 2024 nicht erhöhen. Das sollte für den Aktienmarkt im Prinzip Grund zum Feiern sein. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Die Wirtschaft wird ungestört wachsen, was wiederum die Gewinnaussichten der Unternehmen begünstigt und die Aktienkurse stützt.»

Keine Zinserhöhung in den USA bis 2024: Das hat die Notenbank diese Woche klargestellt. Bessere Nachrichten kann es für den Aktienmarkt im Prinzip nicht geben. Doch mit Prinzipien ist das so eine Sache. Werfen wir einen Blick auf die unmittelbare Reaktion der Börsen, so merken wir, dass der Aktienmarkt dem Braten nicht traut. Nicht nur der Nasdaq, sondern auch der breite S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) und der SMI (SMI 11'942.74 -0.21%) schwächeln.

Das Fed hat dem Markt genau das gegeben, was er wollte. Nun ist klar, dass die US-Zentralbank die Wirtschaft heiss laufen lässt. Alles in Butter. Wäre da nicht der Bondmarkt, der gar nicht glücklich darüber zu sein scheint. Die Zinsen, vor allem am langen Ende, steigen. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries ist kurz über 1,75% geklettert und ist nicht mehr weit von den aus Investorensicht interessanten 2% entfernt. Warum der Anstieg? Im Bondmarkt macht sich bereits Sorge um eine Überhitzung breit.

Die Sorge ist übertrieben. Dass die Leitzinsen noch länger als erwartet niedrig bleiben, ist definitiv eine gute Nachricht. Die Wirtschaft wird ungestört wachsen, was wiederum die Gewinnaussichten der Unternehmen begünstigt und die Aktienkurse stützt. Besonders zyklische Werte aus Branchen wie Finanz und auch Industrie, voraussichtlich auch aus der Reisebranche, profitieren.

Der Anstieg der Obligationenrenditen wird sich in Grenzen halten und die Aktienmärkte nicht nachhaltig belasten. Ja, Inflation als Thema wird noch etwas die Runde machen, und ja, die Zinskurve wird nicht mehr ganz flach oder gar invers sein. Doch insgesamt sind die Voraussetzungen für Avancen am Aktienmarkt gegeben. Paradiesische Zustände also? Nicht ganz. Doch gute Laune ist durchaus angebracht.

 

Leser-Kommentare

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Christoph Saetteli 20.03.2021 - 16:14
Die Inflationsängste spiegeln befürchtete konjunkturelle Ueberhitzungserscheinungen, vergessen geht dass der befürchtete Inflationsschub den Unternehmen in die Hände spielt, in Punkto Preisgestaltung sich ergo positiv auf die Gewinne auswirkt, während der Bondanleger nur dann Gewinne macht wenn sich die Situation wieder abkühlt. Alles deutet auf finanzielle Repression hin die ja auch im Interesse der Staatsschuldenkonsolidierung mittelfristig die einzige Lösung ist. Damit… Weiterlesen »