Meinungen

Gute Laune statt harter Entscheid

Mit den jüngsten Massnahmen zur Stabilisierung der Währung wird China die Anleger nur kurzfristig beruhigen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«China steht vor der Wahl, wie es sein Währungssystem an eine neue Realität anpassen will.»

Jetzt ist alles gut in der Volksrepublik China. Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan verheisst eine stabile Währung. Und laut Premierminister Li Keqiang hat die Politik viele Möglichkeiten, das Wachstum hoch zu halten. Die Botschaft ist klar: Anleger sollen ihre Angst vor weiteren Abwertungen der Währung ablegen. Und bitte aufhören, ihr Geld in Milliardenhöhe aus China abzuziehen.

Gute Laune zu verbreiten, kann kurzfristig die Märkte stabilisieren. Doch eine folgenschwere Entscheidung mit Auswirkungen für den Rest der Welt wird vertagt: China steht vor der Wahl, wie es sein Währungssystem an eine neue Realität anpassen will.

Kein Land kann gleichzeitig einen fixen Wechselkurs, freien Kapitalverkehr und eine eigenständige Geldpolitik gewährleisten. Wird die Geldpolitik gelockert, dann strömt mehr Kapital aus dem Land – was Druck auf einen fixierten Wechselkurs erzeugt. Daher gilt: Wird die Kreditvergabe angefacht, braucht es schärfere Kapitalkontrollen oder eine Abwertung. Auch China muss sich entscheiden.

Auf den ersten Blick gewähren Devisenreserven von über 3000 Mrd. $ einen grossen Spielraum, die Währung zu stabilisieren. Doch nach Leitlinien des Internationalen Währungsfonds liegen die Reserven nur noch 20% über der empfohlenen Mindestgrenze für ein fixes Wechselkursregime. Anhaltende Kapitalflucht kann daher die Reserven bald auf ein bedenkliches Niveau senken.

Ein Entscheid wird also fällig: entweder Kapitalkontrollen oder Abwertung. Eine Einschränkung des Kapitalverkehrs würde die Öffnung des chinesischen Finanzsystems zurückdrehen. Eine Abwertung würde deflationären Druck exportieren. Beides tut dem Rest der Welt weh. Aber kein Entscheid ist auch keine Lösung.