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Härtetest für Bitcoin & Co.

Kryptowährungen treffen auf eine restriktivere Geldpolitik.

Benjamin Dean, WisdomTree

Immer mehr deutet darauf hin, dass die Zentralbanken der Industrieländer ihre Geldpolitik straffen werden. Angesichts steigender Inflationszahlen und niedriger Arbeitslosigkeit wird der Druck auf Zinserhöhungen auch im laufenden Jahr bestehen bleiben. Für das Ökosystem der digitalen Assets handelt es sich dabei um Neuland. Denn seit dem Aufkommen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen herrschte in weiten Teilen der Weltwirtschaft eine ausgeprägt lockere Geldpolitik.

Die Bewertungen der digitalen Währungen sind gemessen an ihrer Marktkapitalisierung von einem Allzeithoch von knapp über 3 Bio. $ Anfang November auf etwa 2,1 Bio. $ in den ersten beiden Januarwochen 2022 geschrumpft – das ist ein Rückgang von rund einem Drittel.

Eine These lautet deshalb, dass Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte in den vergangenen rund zehn Jahren von einer Welle billigen Geldes profitiert haben. Sobald der Hahn zugedreht wird, würden die Bewertungen dieser Assets auf Niveaus sinken, die ihrem langfristigen Wertschöpfungspotenzial besser entsprächen.

Analysiert man den jüngsten Preisrückgang im Detail, zeigt sich, dass er nicht alle Segmente des Digital-Asset-Ökosystems gleich erfasst hat. Beispielsweise ist das Marktsegment der dezentralisierten Finanzmärkte (DeFi) im besagten Zeitraum von Anfang November 2021 bis Anfang Januar 2022 um lediglich 1% geschrumpft. Solche DeFi-Anwendungen stellen Services bereit, die in Konkurrenz stehen zu etablierten Institutionen der Finanzwelt, jedoch typischerweise ohne zentrale Gegenpartei wie Börsen, Banken oder Broker, und sie funktionieren zu deutlich geringeren Betriebskosten.

Ein weiteres Beispiel sind sogenannte Stablecoins. Diese Token sind an herkömmliche Papierwährungen wie den Dollar gebunden und haben sich seit Mitte Oktober gar rund 30% aufgewertet. Stablecoins sind bei Kryptoinvestoren teilweise aufgrund ihrer hohen Renditen beliebt, die sie für die Bereitstellung von Liquidität beziehungsweise Darlehen bieten.

Das Marktsegment der Non-fungible Tokens (NFT) schliesslich ist um 18% gewachsen. Nicht zuletzt war diese Zunahme auf den Markteintritt bekannter Marken und das Interesse grosser Technologieunternehmen am Metaversum zurückzuführen, der digitalen Alternative zur physischen Welt.

Die andere These lautet somit, dass aufgrund neuer Anwendungsmöglichkeiten und technologischer Entwicklungen ein zunehmend widerstandsfähiges Ökosystem aus digitalen Assets entsteht, die nicht alle auf dieselbe Weise vom Gegenwind steigender Zinsen betroffen sein werden.