Steinerne Soldaten stehen Wache: So wirken die Megalithe des Gräberfelds Zorakarer (Steinarmee) in Armenien. Ist die vielleicht gegen vier Jahrtausende alte Anlage eine Art Stonehenge im Kaukasus? Im jüngsten Krieg Hajastans, wie das Land offiziell heisst, mit dem Nachbarn Aserbaidschan vermochten sich die armenischen Soldaten nicht ganz so unerschütterlich zu halten; die Aseri, verwandt mit den ­Türken, rückten im Kampf um die Exklave Berg-Karabach vor. Russland, geostrategisch die einzige denkbare Schutzmacht des kleinen Armeniens, versucht nun, den vereinbarten Waffenstillstand zu kontrollieren. Eine Tragödie mehr in der Geschichte des ältesten christlichen Staats (in Armenien wurde das Christentum 314 zur Staatsreligion, in Rom erst 380). Armenien hat der Welt viele interessante Köpfe geschenkt: etwa den Chansonnier Charles Aznavour oder den Formel-1-Fahrer Alain Prost aus Frankreich, die Entertainerin Cher und den Tennisspieler André Agassi aus den USA. Die alte Heimat zählt nur etwa 3 Mio. Menschen, die Diaspora 7 oder 8 Mio. Armenier wanderten zwar immer schon aus, doch forciert nach dem Genozid durch die Türken ab 1915. Was freilich für Ankara als «Fake News» gilt.
(Bild: Egmont Strigl/Keystone)