Meinungen

Halbherzige Massnahme der Opec

Das Ölkartell hat es verpasst, nochmals zu überraschen. Die Verlängerung der Förderkürzung wird kaum etwas ändern. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Gabriella Hunter.

«Von der Euphorie, die nach der Einigung geherrscht hatte, ist nicht mehr viel übrig.»

Der Applaus ist dieses Mal ausgeblieben. Nach der Einigung des Ölkartells Opec auf weitere neun Monate mit Förderquoten fiel der Fasspreis am Donnerstag deutlich. Anders als im November 2016 war die Massnahme bereits im Vorfeld des Jahrestreffens in Wien erwartet worden. Die Opec vermochte es nicht, nochmals zu überraschen. Im Gegenteil: Die Verlängerung ändert kaum etwas an der derzeitigen Marktsituation.

Von der Euphorie, die nach der Einigung geherrscht hatte, ist nicht mehr viel übrig. Die vergangenen fünf Monate seit der Einführung der Förderbremse haben gezeigt, dass für den Abbau des Angebotsüberhangs eine deutlichere Kürzung nötig wäre. Bisher ist der immense weltweite Lagerbestand nur langsam geschrumpft. Daran ändert auch die unerwartet hohe Förderdisziplin der Opec-Staaten und Russlands nichts.

Überrascht hat hingegen die Konkurrenz: Das US-Fördervolumen ist bereits jetzt so hoch, wie es erst für Ende des Jahres erwartet worden war. Dank einer deutlichen Kostensenkung können die Unternehmen zum derzeitigen Fasspreis problemlos rentabel Öl aus dem Boden pumpen. Mit gut 700 Bohrstellen sind jedoch erst weniger als halb so viele aktiv wie zum Höchst Ende 2014. Die US-Produzenten haben noch Luft nach oben.

Das ist wohl auch den Mitgliedsländern der Opec bewusst. Die gegen aussen demonstrierte Einigkeit und der Wille zur Preisstabilisierung sollten daher nicht überschätzt werden. Hinter den Kulissen dominieren nationale Interessen. So strebt die saudische Regierung für die Publikumsöffnung des staatlichen Förderunternehmens Saudi Aramco einen Fasspreis von 50 $ an. Dafür dürfte die halbherzige Massnahme reichen – auch wenn niemand applaudiert.