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«Halbierungs-Ereignis» beflügelt Bitcoin

Das für kommende Woche erwartete Ereignis treibt den Kurs der grössten Kryptowährung über die Marke von 10'000 $.

(AWP) Der Digitalwährung Bitcoin (Bitcoin 11392.942669 0.4%) steht Anfang der kommenden Woche ein bedeutendes Ereignis bevor. Beim sogenannten «Bitcoin-Halving» wird die Menge der etwa im Zehnminutentakt neu geschaffenen Bitcoins halbiert. Im Vorfeld des Ereignisses ist der Bitcoin-Kurs in der Nacht auf Freitag erstmals seit Wochen über die Marke von 10’000 $ geklettert.

Das für den kommenden Dienstag erwartete Ereignis treibt die Bitcoin-Investoren bereits seit längerer Zeit um. Das alle vier Jahre vorkommende «Halving» sei stets etwas «Spezielles» und dürfte den Bitcoin-Markt langfristig beflügeln, sagt etwa Julien Hawle, Krypto-Experte bei der Liechtensteiner Bank Frick. Schliesslich handle es sich um eine harte Angebots-Reduzierung.

 Neues Anleger-Interesse

Von dem Ereignis erhoffen sich einige Investoren auch ein wieder anziehendes Interesse am Bitcoin: Die «Inflationsrate» des Bitcoin halbiere sich ja gerade in einer Zeit, in der bei den etablierten Währungen wie dem Dollar und Euro wegen des «beherzten Eingreifens der Zentralbanken» eine steigende Inflation zu erwarten sei, stellen etwa die Analysten der britischen CMC Markets (CMCX 312 -2.95%) fest.

Am Freitagmittag notiert der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp bei rund 9’850 $, nachdem er in der Nacht auf Freitag erstmals seit Februar wieder über 10’000 $ gestiegen war. Im März war der Bitcoin allerdings noch von der Coronakrise in Mitleidenschaft genommen worden und zeitweise gar unter 4’000 $ abgesackt.

Bisher Anstieg

Die Vorfreude der Bitcoin-Gemeinde hängt auch damit zusammen, dass auf die bisherigen Halbierungs-Ereignisse in den Jahren 2012 und 2016 jeweils Perioden mit deutlichen Preisanstiegen folgten. Vor dem «Halving» 2012 hatte der Bitcoin allerdings noch einen Wert von gerade mal 12 $, vor dem Ereignis von 2016 notierte er bei rund 650 $.

Gerade im Verbund mit der Situation um die Coronakrise stehe dem Bitcoin eine spannende Zeit bevor, meint Julien Hawle im Gespräch mit der AWP. Er erwarte nun den Beginn eines «Bull Run» der wichtigsten Kryptowährung in der zweiten Jahreshälfte.

Die Halving-Ereignisse seien in der Vergangenheit auch mit der Entstehung eines neuen «Narrativs» für die Kryptowährung verbunden gewesen, so Hawle. So habe sich nach 2012 der Bitcoin von einem «Spielzeug» für Computer-Nerds zu einem Zahlungsinstrument entwickelt. Nach 2016 sei der Währung dann in den Finanzmärkten angekommen: Immer mehr Finanzprodukte seien um den Bitcoin herum entwickelt worden und die Währung sei in das Blickfeld der Regulatoren gerückt.

Nicht alle Beobachter glauben allerdings an einen bevorstehenden Bullenmarkt. Nach dem Halving-Ereignis werde die Euphorie wieder einer «nüchterneren Betrachtungsweise» weichen, meint etwa der deutsche Analyst Timo Emden. Die wirtschaftlichen Sorgen rund um das Coronavirus machten schliesslich auch den Kryptowährungen zu schaffen: Angesichts drohender Liquiditätsengpässe für Investoren drohten auch plötzlich eintretende Gewinnmitnahmen, warnt er.

Miner-Belohnung

Das periodisch stattfindende «Halving» hängt mit der Konstruktion des Bitcoin-Netzwerks zusammen. Bei den neu geschaffenen Bitcoins handelt es sich um die Belohnung für die Bitcoin-Miner. Diese validieren etwa alle zehn Minuten auf ihren Computern einen neuen Block mit Transaktionsdaten für die Bitcoin-Blockchain – dies unter grossem Rechenaufwand und entsprechend hohen Stromkosten.

Beim Start des Bitcoin-Netzwerks hatte die Miner-Belohnung noch bei 50 Bitcoin gelegen, 2012 kam es zum ersten Halvening auf 25 Bitcoin. Seit dem Jahr 2016 beträgt die Schürfer-Belohnung und damit die Geldschöpfung pro Datenblock 12,50 Bitcoin.

Voraussichtlich am 12. Mai – beim Erreichen von Block 630’000 der Bitcoin-Blockchain – halbiert sich die Belohnung auf 6,25 Bitcoin. Bitcoin-Miner würden nach dem Ereignis zum derzeitigen Bitcoin-Kurs also mit noch rund 61’500 $ statt mit 123’000 $ entschädigt.

Bei den Minern dürfte es entsprechend zu einer Bereinigung kommen: Die ineffizienteren Miner mit hohen Stromkosten oder veralteten Rechnerausrüstungen dürfte es dabei «aus dem Markt spülen», sagt Hawle. Möglicherweise könnte dies zwischenzeitlich auch zu einer Verlangsamung bei der Validierung der Blöcke im Bitcoin-Netzwerk führen, was sich aber nach zwei Wochen wieder einspielen dürfte.