Meinungen

Handschlag reicht nicht

Für Entwarnung ist es nach der Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit zu früh. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Der Aktienmarkt hat Raum nach oben.»

Die Annäherung zwischen den USA und China im schwelenden Handelskonflikt ist für den Aktienmarkt eine gute Nachricht. Das hat die unmittelbare Kursreaktion am Montag gezeigt und daran ändern auch die Schwankungen in den Folgetagen nichts. Doch der Handschlag zwischen Präsident Donald Trump und Staatschef Xi Jinping, mit dem die Strafzölle vorübergehend auf Eis gelegt werden, reicht nicht, um den Kursen dauerhaft Flügel zu verleihen.

Einerseits ist unklar, wie sich der Waffenstillstand mittel- und langfristig auf die Strafzölle auswirkt. Zu viele Details sind noch offen und zu unberechenbar sind die Entscheidungsträger auf beiden Seiten. Anderseits gibt es am Horizont dunkle Wolken, die den Anlegern weitere Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise ist die Zinskurve zwischen zwei- und fünf-jährigen Obligationen in den USA invers. Was das bedeutet? Anleger erhalten für zweijährige Papiere einen höheren Zins als für fünfjährige. Spätestens wenn auch für zehnjährige Bonds weniger Zins geboten wird als für zweijährige, ist eine Rezession historisch gesehen so gut wie sicher.

Die Gründe, warum der Aktienmarkt dennoch Raum nach oben hat, bleiben dieselben. Die Aktien sind niedrig bewertet, die weltweite Konjunktur ist robust und die US-Notenbank agiert behutsamer. Für das Auswahlverfahren der einzelnen Titel gilt ebenfalls weiterhin, dass Portfolios krisensicher gemacht werden sollten. Starke Bilanz, geringe Konjunkturabhängigkeit und Marktführerschaft sind dazu die Stichworte. In den nächsten Wochen und Monaten werden die News zum Handelsstreit der wichtigste Richtungsgeber sein. Das Gute daran: Die USA und Trump haben gemerkt, dass ihre Wirtschaft nicht unverwundbar ist. Das wiegt schwerer als ein Handschlag.

 

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