Märkte / Aktien

Happy Birthday, Boom!

Seit dem Tiefpunkt im März 2009 ist der US-Aktienmarkt mehr als 170% gestiegen. Die Bilanzsumme der US-Notenbank hat sich fast verfünffacht.

Vor fünf Jahren, am 6. März 2009, fiel der Aktienindex S&P 500 im Verlauf des Handels auf 666,8, den tiefsten Stand seit 1996. Den niedrigsten Tagesschlusskurs erreichte er am 9. März bei 676,5 Zählern. Die globale Rezession schien unaufhaltbar, es roch nach Deflation und Depression.

Am Tag darauf vermeldete der ­damalige Citigroup-CEO Vikram ­Pandit, dass seine Bank das beste Quartal seit 2007 erlebe. Die amerikanische Grossbank liege in den ersten zwei Monaten 2009 in der Gewinnzone, nachdem sie in den fünf Quartalen zuvor Verluste von insgesamt mehr als 37 Mrd. $ verbucht hatte. Die Nachricht befeuerte die Citigroup-Aktie, sie schossen in wenigen Stunden 40% hoch. Der S&P 500 notierte am Abend 6,4% über dem Schlusskurs des Vortages.

Geburt einer Hausse

Solche heftigen Gegenbewegungen waren während der Krise keine Seltenheit. Doch nach jedem Zucken folgte ein neues Tief. Weder die Zinssenkungen und die Ankündigung des Programms zum Kauf von Wertpapieren (Quanti­tative Easing, QE) durch die US-Notenbank Fed noch das chinesische Konjunkturprogramm im Umfang von 580 Mrd. $ konnten den Fall ­zunächst stoppen. Doch nach dem ­Kurssprung vom 10. März liess der US-­Aktienmarkt die Talsohle hinter sich und war kaum mehr aufzuhalten. Es war die Geburtsstunde der Hausse, die nun fünf Jahre alt wird, und dem S&P 500 einen Zuwachs von 174% beschert hat. Zum Jubiläum erreichte der Index diese ­Woche ein neues Allzeithoch.

Linear verlief die Erholung nach der Finanzkrise aber nicht. Am Anfang ging es zügig, viele Anleger schauten der Rally ungläubig zu. Stimuliert durch ­expansive Geld- und Fiskalpolitik fasste die Weltwirtschaft angeführt von China rasch wieder Tritt. Nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Konkurs der Investmentbank Lehmann Brothers hatte der S&P 500 (S&P 500 3'762.30 -0.76%) Anfang 2010 bereits wieder das Niveau von vor dem Lehman-Kollaps erreicht. Die US-Notenbank hatte in dieser Phase mit dem Aufkauf von ­Wertpapieren ihre Bilanz um 160% auf fast 2,4 Bio. $ ausgeweitet. Doch kaum stellte sie die Anleihenkäufe ein, korrigierten die Börsen. Gleichzeitig spitzte sich am anderen Ende des Atlantiks die Schuldenkrise in Griechenland zu. Das erste Hilfspaket für Hellas im Mai 2010 beruhigte die Finanzmärkte kaum, die Angst vor einem Staatsbankrott griff bald auf Portugal und Irland über.

Eine zweite Rally zündete Fed-Chef Ben Bernanke mit seiner Rede am Notenbanktreffen in Jackson Hole, in der er eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte. Die Ankündigung des zweiten Anleihenkaufprogramms (QE2) war dann nur noch Formsache. Die Fed-Bilanz stieg in der Folge auf 3,4 Bio. $., der S&P 500 über 1300.

Spielball der Notenbanken

Wieder wagte das Fed den Ausstieg, ­obschon sich die Eurokrise auf immer mehr Staaten ausweitete und der ­Budgetstreit in Washington der USA die Bestnote AAA kostete. Die Antwort des Fed auf die konjunkturelle Schwäche und die Aktienmarktturbulenzen Mitte 2011 war die Operation Twist: Das Fed kaufte nun Anleihen mit langer Laufzeit und verkaufte Kurzläufer, so blieb die Bilanzsumme unverändert.

Im Juni 2012 bewahrte EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Ankündigung, alles Nötige zur Rettung des Euros zu tun, die Währungsunion vor Schlimmerem. Wenig später beschloss das Fed QE3. Das monatliche Volumen der Anleihenkäufe ist unterdessen von 85 auf 65 Mrd. $ reduziert worden (Tapering). Die Bilanzsumme ist auf 4,1 Bio. $ angeschwollen. Die hohe Korrelation von QE und Aktienmarkt ist augenfällig.

Leser-Kommentare

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Daniel Bosshard 03.03.2014 - 09:47

Die Artikelserie “Happy Birthday, Boom!” ist fundamental sehr interessant und hervorragend geschrieben. Hut ab! Bitte macht weiter so.