Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Too big to fail
Unternehmen / Finanz

Härtere Kapitalvorschriften für US-Grossbanken

Finanzriesen wie J.P. Morgan und Bank of America müssen ihre Eigenmittelquote auf bis zu 6% ausbauen. Das ist klar mehr, als es der internationale Standard Basel III verlangt.

Christoph Gisiger, New York

Die acht grössten US-Banken brauchen ein dickeres Eigenkapitalpolster. Diesen Beschluss haben am Dienstag das Federal Reserve, die Einlagenversicherungsbehörde FDIC und der nationale Bankenregulator Office of the Comptroller of the Currency gefällt. Das bedeutet für die betroffenen Finanzinstitute, dass sie ihre Kapitalreserven um insgesamt fast 70 Mrd. $ aufstocken müssen.

Puffer gegen systemisches Risiko

«Eine starke Eigenkapitalbasis für die grössten und am meisten vernetzten US-Banken ist besonders wichtig, weil ein Kapitalmangel bei diesen Instituten das Potential hat, signifikanten Schaden in der Wirtschaft anzurichten und ein systemisches Risiko auf nationaler wie internationaler Ebene birgt», heisst es in der Medienmitteilung der US-Notenbank.

Der Beschluss deckt sich weitgehend mit dem Gesetzesentwurf, den die drei Regulatoren im vergangenen Sommer präsentiert haben. Demnach müssen Bankholdinggesellschaften mit einer Bilanzsumme von über 700 Mrd. $ oder mit über 10’000 Mrd. $ an verwalteten Kundengeldern künftig eine Eigenkapitalquote von 5% ausweisen. Ihre von der FDIC versicherten Tochtergesellschaften brauchen mit 6% noch einen grösseren Puffer.

Amerika prescht international vor

Die US-Behörden preschen mit diesen Vorschriften international vor. Die Berechnung der sogenannten Leverage Ratio wird sich zwar auch in den Vereinigten Staaten nach dem Finanzregelwerk Basel III richten. Dieses schreibt systemkritischen Grossbanken jedoch nur eine Eigenkapitalquote von 3% vor. Das sei zu wenig, um die Banken davon abzuhalten, sich wie vor der Finanzkrise übermässig zu verschulden, hält FDIC-Chef Martin Gruenberg in einem Statement fest.

Die strengeren Kapitalauflagen müssen bis 2018 erfüllt werden. Betroffen sind davon J.P. Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, State Street, Bank of New York Mellon sowie die Investmenthäuser Goldman Sachs und Morgan Stanley. Gemäss den US-Regulatoren sind dabei vor allem diejenigen Institute mit einem bedeutenden Geschäft im Bereich Finanzderivate gefordert.

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